Stieftöchter leiden weiter

Mann soll Stieftöchter sexuell belästigt haben und muss sich vor Gericht verantworten

Treysa. Weil er seine Stieftöchter sexuell belästigt haben soll, musste sich ein 47-jähriger Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt verantworten.

Dem 47-Jährigen wurden einundzwanzig Straftaten – sexuelle Handlungen an zwei Mädchen und Körperverletzung – vorgeworfen. Zum Tatzeitpunkt waren die Kinder vierzehn und elf Jahre alt und lebten gemeinsam mit ihrer Mutter und dem Mann in einem Haushalt.

Die dem Angeklagten vorgeworfenen Taten lagen bereits mehr als fünf Jahre zurück. Wie im Laufe der Verhandlung deutlich wurde, war eine Therapeutin ausschlaggebend für die späte Anzeige bei der Polizei. Die heutigen Jugendlichen leiden unter Traumata und befinden sich in Behandlung. Laut Staatsanwalt hatte der 47-Jährige beiden Opfern wiederholt den BH geöffnet. Ferner habe der Angeklagte den Mädchen an den Po gefasst und als „geilen oder dicken Arsch“ bezeichnet, so die Anklage: „Das kindliche Alter war ihm dabei bewusst.“

Der 47-Jährige verfolgte die Verlesung der Anklageschrift sichtlich angespannt, hin und wieder schüttelte er ungläubig den Kopf. Es sei richtig, dass er bei seinen Schwiegertöchtern ab und zu den BH geöffnet habe, sagte der Mann: „Es hatte aber nie einen sexuellen Hintergrund. Wir haben uns geickert.“

Auf Nachfrage des Gerichts stellte sich heraus, das das Aufschnippen der BH-Verschlüsse immer über der Oberbekleidung erfolgte. Wie mehrere Zeuginnen bestätigten, legte der 47-Jährige beim Öffnen von BHs wohl eine besondere Fingerfertigkeit an den Tag. „Er hat sich ein Späßchen daraus gemacht,“ sagte auch die Mutter der Mädchen.

Schlimmer sei es gewesen, dass ihr Ex-Mann manchmal ins Bad gegangen sei, um seine Notdurft zu verrichten, obwohl die Mädchen unter der Dusche standen, so die 46-Jährige: „Ich bin hinterher, weil man das nicht macht.“ Dem stimmte der Richter zu.

Während das 19-jährige Opfer nicht in der Lage war auszusagen, erwies sich die jüngere Schwester als überraschend taff. Durch die ganze Sache sei sie psychisch sehr angeschlagen, meinte die heute 16-Jährige: „Mir geht es nicht darum, dass er in den Knast kommt oder eine Geldstrafe erhält – mir geht es um Gerechtigkeit.“ Bei den Aussagen der behandelnden Therapeutinnen wurde deutlich, dass belastende Ereignisse nicht unbedingt auch strafbar sein müssen. Die Vernehmung bei der Polizei habe sie etwas verwundert, sagte eine 64-Jährige: „Zumindest ich kann von sexuellem Missbrauch nicht sprechen – vielleicht sexueller Übergriff.“

Um insbesondere die 19-Jährige nicht weiter zu traumatisieren – ihre bei der Polizei gemachten Angaben waren durchaus widersprüchlich – wurde das Verfahren vorläufig eingestellt. Der Angeklagte muss 4000 Euro Geldbuße zahlen.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © David-W olfgang Ebener/dpa

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