Schnelles Internet für Spangenberg: Klage über Hürden

Ab ins Internet: Fünf Masten sorgen im Spangenberger Hinterland für einen schnellen Zugang ins Netz. Marco Ackermann aus Herlefeld (links) hat sie zusammen mit Stefan Pfetzing errichtet. Auf dem Foto ist dessen Vater Reinhold Pfetzing zu sehen. Foto:  Brandau

Herlefeld. Ein Leben ohne Internet - damit wollten und konnten sich Marco Ackermann und Stefan Pfetzing aus Herlefeld nicht abfinden. Der Spangenberger Stadtteil liegt weit ab vom Schuss - und damit in einer sehr analogen Gegend. Die beiden Herlefelder gründeten kurzerhand ein Unternehmen und boten per Richtfunk den ersten, noch sehr zaghaften Schritt in die digitale Welt.

Das ist jetzt zehn Jahre her. Aus heutiger Sicht stellt die damalige 1,5 Megabit-DSL-Verbindung, mit der Nutzer durchs Netz taperten, natürlich eine sehr müde Verbindung dar. „Aber damals war es eben besser als nichts,“ sagt Pfetzing.

Längst bieten die heute 35-Jährigen Internet im Turbogang an: Die Menschen in Herlefeld, Landefeld, Pfieffe, Metzebach und Teile von Bischofferode und der Kernstadt sind heute mit 55 Megabit pro Sekunde im Internet unterwegs. Das bedeutet ruckelfreie Videos und schnelle Downloads. Möglich machen das die fünf Funkmasten, die die beiden Mobilfunk-Unternehmer im Spangenberger Hinterland aufgestellt haben.

Das nötige Wissen haben die beiden: Stefan Pfetzing hat in München Informatik studiert, Marco Ackermann ist Bauunternehmer. An Kompetenz mangelt es ihnen nicht. Aber an Unterstützung.

Die verwaltungstechnischen Anforderungen für einen zehn Meter hohen Masten seien dieselben wie für ein 200 Meter hohes Windrad. Das gelte auch für die Kosten: „Jeder Mast hat nur im Vorfeld ein paar tausend Euro gekostet. Dazu kommen 200 Euro Standgebühr für die paar Quadratmeter - dafür könnte ich den ganzen großen Acker nebendran pachten“, sagt Ackermann.

Die bürokratischen Hürden seien hoch, sagt der 35-Jährige: Da gehe es um Bewertungen von Landschaftsarchitekten, Genehmigungen von Behörden, Ausgleichsmaßnahmen, die das Land fordert. „Wir laufen uns auf den Behördenfluren die Hacken ab“, sagt der Herlefelder.

Dabei gehe es um ein Thema, das viele Menschen, Politiker, Verwaltungen beschäftige und in Zeiten des demografischen Wandels immer wichtiger werde: ums schnelle Internet. Ohne das seien längst nicht nur junge Leute, sondern auch alle Betriebe vollkommen aufgeschmissen: „Alle reden davon, dass der ländliche Raum mit Internet versorgt werden soll - und wenn es einer tut, dann wird er ausgebremst.“

Rund um Kassel, so hat er jetzt in unserer Zeitung gelesen, sucht das Regionalmanagement Nordhessen einen Netzbetreiber, der selbst das kleinste Dorf mit schnellem Internet versorgen will. Wo es kein Netz gibt, soll ein Glasfaserkabel gelegt werden. Marco Ackermann hält das für unrealistisch. „Das wird noch viele Jahre dauern - das ist eine reine Vision.“

Der 35-Jährige will am Internet-Ball bleiben, das Tempo beschleunigen, den Kundenkreis ausbauen. Trotz aller Widrigkeiten. „Wenn ich den Stecker ziehe, fallen wir zurück in die digitale Steinzeit. Die kann ich mir aber als Unternehmer nicht leisten."

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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