Margot Käßmann erntete beim Neujahrsempfang in Wolfhagen viel Beifall

Wolfhagen. Lang anhaltender Beifall für die Festrednerin beim diesjährigen Neujahrsempfang. Was die frühere evangelische Landesbischöfin und Ratsvorsitzende Margot Käßmann am Sonntag in Wolfhagen über Werte-Orientierung in der Gesellschaft zum Besten gab, war eine Sympathiewerbung für Kirche und für den Glauben.

Mit anekdotischer Leichtigkeit unterhielt sie das Publikum und schrieb dennoch einigen Gewichtiges ins Stammbuch.

Was an Käßmanns Rede beeindruckte, war die Verknüpfung von biblischen Zitaten mit politischen Konsequenzen. Entlang den Zehn Geboten unterstrich sie die Bedeutung ethischer Werte für ein solidarisches Zusammenleben - gegen die Schnäppchen-Mentalität einer „Geiz-ist-geil-Gesellschaft. Wie wenig überzeugend Geiz sei, erkenne man daran, dass niemand zu seiner Liebsten sagen würde: „Ich liebe dich, weil du so wunderbar geizig bist.“

Die Gesellschaft lebe von Werten, die sie sich selbst nicht geben könne. So seien die Zehn Gebote ein biblisches Vermächtnis, das die drei großen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam zusammenführen und auch politisch einigen könne.

Neujahrsempfang mit Margot Käßmann in Wolfhagen

In Anlehnung an ihren berühmten Satz „Nichts ist gut in Afghanistan“ wies sie auch in Wolfhagen auf die Notwendigkeit einer Friedenspolitik hin, die keine falschen Kompromisse dulden könne. Deutschland stehe auf Platz 3 der Waffenexporteure in der Welt. Das sei keine Auszeichnung. Was not tue, sei ein neues Bewusstsein. Zum Beispiel dafür, dass nicht alles, was ökonomisch möglich sei, auch getan werden dürfe. „Wir brauchen ein Bewusstsein für eine Ethik der Grenze“, die erkennen lasse, wann es genug ist im Konkurrenzkampf. Immer höher, schneller, reicher führe letztlich nicht weiter.

Die 53-jährige ehemalige Wolfhager Vikarin, die in Berlin lebt, wurde vor und nach ihrer Rede von vielen ehemaligen Weggefährten begrüßt.

Erinnerungen wurden ausgetauscht, so auch der Kommentar des ehemaligen Wolfhager Dekans Kalden, der sie einmal vor einem Gottesdienst vorwurfsvoll anschaute: „Sie werden doch wohl nicht dieses Dirndl jetzt unterm Talar tragen.“

Von Ludger Verst

Quelle: HNA

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