Reinhold Beckmann sprach mit Maria Langstroff 

Todkranke Treysaerin im Interview: "Man muss sich Ziele setzen"

Gibt nicht auf: Maria Langstroff kämpft nicht nur gegen ihre Krankheit, sondern auch für mehr Respekt für behinderte Menschen. Foto: Archiv

Schwalmstadt. Sie hat die Gesellschaft von ihrer hässlichen Seite kennengelernt, sagt Maria Langstroff. Über ihre Erfahrungen sprach die todkranke Treysaerin mit ARD-Talker Reinhold Beckmann in einem Gießener Pflegeheim.

Das Interview lief am Donnerstagabend in seiner Sendung. Im vergangenen Jahr schrieb Langstroff das Buch „Mundtod“ (wir berichteten). Darin ruft die 26-Jährige, die an einer unheilbaren Muskelkrankheit leidet, zu einem respektvollen Umgang mit Behinderten auf.

Der gesundheitliche Zustand der Lehramtsstudentin hat sich nach drei Jahren im Heim weiter verschlechtert. Sie liegt in einem abgedunkelten Raum. Plötzliche Berührungen oder Licht können epileptische Anfälle auslösen. Jederzeit droht Atemstillstand.

„Man muss sich Ziele setzen.“

Aufgegeben hat sie deshalb nicht. Im Gegenteil: Demnächst soll ihr zweites Buch erscheinen. „Man muss sich Ziele setzen“, stellte Langstroff im Gespräch mit Beckmann fest. Warum solle sie im Bett liegen und auf ihren Tod warten, wenn sie auch etwas Sinnvolles tun könne, fragte sie sich.

Auch mit ihrem zweiten Buch will sie etwas für andere erreichen: „Alle reden von Inklusion, aber wirklich angekommen ist sie in der Gesellschaft noch nicht.“ Deshalb ruft Langstroff zu mehr Rücksicht für Behinderte auf. Sie selbst berichtete gegenüber Beckmann von schlimmen Erfahrungen:„Mir wurden Schneebälle an den Kopf geworfen, sodass ich aus dem Rollstuhl fiel.“ Oft konnte sie nicht mit Bus oder Bahn fahren, weil das Personal die Rampen nicht bedienen konnte oder wollte.

Sie ist ein Stehaufmännchen

Viel Unterstützung erhält die 26-Jährige von ihrer Familie. Ihre Mutter Jutta Langstroff war am Donnerstag zu Gast in Beckmanns Sendung. Sie bezeichnet ihre Tochter als Stehaufmännchen: „Es ist toll, wie sie sich immer wieder neue Ziele setzt.“

Nach der Veröffentlichung ihres zweiten Buchs hat Maria Langstroff schon das nächste Projekt: Sie will nach Travemünde fahren, um das Meer zu sehen.

Maria Langstroffs zweites Buch „Jetzt bin ich nicht mehr mundtod!“ ist Freitag erschienen. Das Taschenbuch mit Gesprächen über u.a. Freundschaft und Familie hat die ISBN 978-3-86265-196-2.

Von Jonathan Vorrat

Quelle: HNA

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