Das Mariani-Quartett überzeugte im Melsunger Stadtwaldpark seine Konzertgemeinde

Überzeugte im Stadtwaldpark: Das Mariani-Quartett. Foto: Köthe

Melsungen. Jung, kompetent, engagiert – das Mariani-Quartett präsentierte im Konzertsaal des Melsunger Stadtwaldparks ein Programm, das sich seinem Publikum weder schmeichlerisch noch anbiedernd erschloss.

Vertrauten Klängen aus der Schnittmenge von Klassik und Romantik stellte man eine Mischung aus impressionistischer Sehnsucht und avantgardistischem Formenbruch an die Seite und erzeugte dabei ein hochinteressantes Spannungsfeld.

Der Einstieg mit Mozarts Klavierquartett in g-moll diente als emotionales Sonnenbad, damit man das angekündigte tonale Unwetter in den nächsten Werken entspannt überstehen würde. „Dass es die großbürgerlichen und adeligen Dilettanten eifrig kaufen und in ihren Salons zum Besten geben“, sagte einst ein angewiderter Mozart über diese Auftragsarbeit, die sich als brillant überdimensioniert dem angedachten Zwecke entzog. Das Mariani Ensemble ließ dieses Warm up im Allegro professionell durchschwingen, versteckte sich im Andante allerdings hinter gediegener Oberflächlichkeit, um dann aber im Rondeau ein fulminantes Finale hinzulegen.

Als man im Anschluss das Klavierquartett Nr.1 von Bohuslav Martinu anmoderierte, vernahm man ein leichtes Raunen im Konzertsaal. Ohren anlegen, jetzt qualmt die Partitur. Doch im brisanten Bereich zwischen Neo-Klassizismus und Moderne zeigten Philipp Bohnen (Violine), Barbara Buntrock (Viola), Peter Philipp Staemmler (Violoncello) und Gerhard Vielhaber (Piano) ihre wahre Leidenschaft.

Der tschechische Komponist Martinu hatte es in seiner Schaffenszeit mit zwei Weltkriegen zu tun und so schwebt Melancholie, Lebenswille und Entdeckergeist zwischen den Taktstrichen. Die von ungewohnten Intervallen geprägte Melodieführung machte auch vor manch dissonantem Tonraum nicht halt, doch in allen drei Sätzen wussten die Interpreten vom Mariani-Quartett der klangphilosophischen Idee ein kreatives Gesicht zu verleihen.

Ambitioniertes Ensemble

Wenn man auch nach der Pause mit Gabriel Fauré und seinem Klavierquartett Nr.2 in g-moll wieder in ruhigeren Gewässern segelte, hielt man die Spielintensität hoch. Einzig die etwas fahrig präsentierte Zugabe mit dem 3. Satz von Robert Schumanns Klavierquartett in es-Dur trübte ein wenig den Gesamteindruck eines sehr ambitionierten Ensembles, das noch längst nicht alle Tugenden voll ausgereizt hat. Großer Applaus.

Von Andreas Köthe

Quelle: HNA

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