Marktplatz: Mit sehr viel Liebe zum Detail

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Imposant: Die HMS Cumberland war das letzte Schiff, das Werner Christl gebaut hat. Der Melsunger ist seit sechzig Jahren begeisterter Modellbauer.

Melsungen liegt nicht am Meer und hat auch keinen großen Hafen. Trotzdem beherbergt die Bartenwetzerstadt eine große Flotte historischer Segelschiffe.

Zugegeben, es handelt sich um keine Originale – dafür wäre die Fulda als Ankerplatz wohl doch zu klein – sondern um maßstabgerechte Modelle von beeindruckender Detailgenauigkeit.

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Marktplatz: Mit sehr viel Liebe zum Detail

Seit sechzig Jahren baut Werner Christl Modellschiffe. Er seien mittlerweile 45 Stück, erzählt der leidenschaftliche Bastler und Tüftler stolz: „Mein erstes Schiff war Graf Luckners Seeadler.“ Schon immer habe er ein Faible für alte Segelschiffe und die Seefahrt gehabt, sagt der 74-Jährige lächelnd. „Meinen 18-monatigen Wehrdienst habe ich natürlich bei der Marine abgeleistet. Ich war bei den Schnellbooten.“

Werner Christl baut überwiegend englische Segelschiffe aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Moderne Kriegs- oder Handelsschiffe reizten ihn nie. „Ich persönlich finde die englischen hübsch und die gefallen mir am besten“, meint der Rentner.

Aufwendige Handarbeit

Da der Melsunger seine Modelle komplett in Handarbeit herstellt und keine Baukästen nutzt, dauert es von der Kiellegung bis zur Fertigstellung durchaus auch schon einmal bis zu zwei Jahre. Fregatten gehen etwas schneller, ein Admiralsmodell dauert länger. Die Pläne für die Originalnachbauten besorgt sich der versierte Modellbauer im Internet oder aus Büchern. Jeder Arbeitsschritt wird akribisch dokumentiert. Neben Schiffsmodellen baut der 74-Jährige auch bekannte Leuchttürme wie den „Roten Sand“ nach.

Der Melsunger legt großen Wert auf die Details. Wie im echten Schiffsbau wird der Rumpf in filigraner Handarbeit einzeln beplankt, furniert und bemalt. Im Schnitt verfüge jedes Schiff über rund dreihundert Meter Tauwerk und auch die Segel seien handgenäht, sagt der 74-Jährige: „Die Galionsfiguren und die Figuren für den Heckspiegel lasse ich in Oberammergau schnitzen, die Kanonen drehe ich mir selber.“ Durch die kleinen Fensterchen sei die Konstruktion des Schiffshecks am schwierigsten, meint der Modellbauer: „Das muss ja an den Rumpf angepasst werden. Die ganzen Teile habe ich mit der Hand ausgesägt.“

Auch wenn sie prinzipiell schwimmfähig sind, handelt es sich bei den Segelschiffmodellen um Standmodelle mit durchaus imposanten Ausmaßen. Aus diesem Grund will Werner Christl auch gern ein paar der Modelle verkaufen. Er habe einfach ein Platzproblem, sagt der Melsunger.

Neues Projekt geplant

Aufgeben möchte der Rentner sein spannendes Hobby aber nicht. Nachdem er erst vor Kurzem die HMS Cumberland fertiggestellt hat, plant Werner Christl als Nächstes die Kiellegung der „Queen Charlotte“: „Wenn ich die gebaut habe, bin ich fast 78 und dann reicht es auch.“ Aufgrund der Größe und der Detailgenauigkeit liegt der Verkaufspreis für ein Schiff im vierstelligen Bereich. Baupläne gibt es bei dem Modellbauer dagegen für kleines Geld und auch Leuchttürme können käuflich erworben werden.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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