Ein Nachruf auf Hessens älteste Fahrlehrerin

Martha Knauf: Das Fahren war ihr Leben

Immer und frohgemut auf Achse: Martha Knauf mit Schüler im Jahr 2004. Archivfoto: Köcher

Neukirchen. Noch vor gut einer Woche hat sie mit Fahrschülern Theorie gebüffelt, am Freitag ist Hessens wohl älteste Fahrlehrerin gestorben. Martha Knauf, geb. Ross wurde 85 Jahre alt.

Die Frau, die Anfang der 50er Jahre zügig alle Fahrlehrerscheine bis hin zum Lkw ablegte, war in ihrem Heimatort Neukirchen und weit darüber hinaus bekannt. „Viele duzten sie wie selbstverständlich“, erzählt ihre Tochter Elisabeth Fahlbusch, „aber keineswegs aus Respektlosigkeit.“ Die Fahrschüler hätten ihr oft das Herz ausgeschüttet, berichtete ihr die Mutter. „Sie erzählten ihr manches, das sie ihren Eltern verschwiegen.“

Den Geruch von Benzin und Pneus hatte die 1926 geborene Martha immer in der Nase. Ihr Vater war Chauffeur des Landrates in Ziegenhain. Von der Dienstwohnung am Wallgraben zog die junge Familie bald ins heimische Neukirchen zurück. Gemeinsam mit seinem Bruder betrieb der Vater eine Schlosserei und begann auch mit der Fahrerausbildung.

Als Martha ihren Führerschein ablegte, war das noch sehr einfach. „Ich konnte ja in Neukirchen kaum jemand die Vorfahrt nehmen, es gab ja nur drei Autos“, soll sie später gescherzt haben.

An den Fahrlehrerberuf habe sie nicht gedacht – bis 1951 ihr Vater starb. Eigentlich nur, um den jüngeren Brüdern die Option offen zu halten, stieg Martha ins Geschäft ein. Da hatte sie schon eine kaufmännische Ausbildung auf der Höheren Handelsschule Marburg absolviert. Den Fahrlehrerberuf lernte sie bei Walter Hofmann (Treysa). 1954 nannte sie alle nötigen Lizenzen ihr eigen. Später wurde auch ihr Mann Heinrich Fahrlehrer. Der Zellaer war gelernter Dolmetscher, doch wollte die Familie seinem Arbeitsplatz nicht hinterher ziehen.

Pilawa blitzte ab

Bereits 1973 verwitwet, stemmte Martha Knauf die Arbeit dann wieder allein, ihr Sohn Hans-Werner wurde später ihr Nachfolger, sechs Enkel kamen zur Welt. Bis zum 80. Lebensjahr schulte sie im Auto, bis zuletzt unterstützte sie die Fahrschüler und machte sich dazu noch das moderne Pauken am PC zu eigen. Am Steuer saß sie ebenfalls bis zuletzt. Das alles brachte ihr schließlich viel Medienaufmerksamkeit ein, bei „Sag‘ die Wahrheit“ in Baden-Baden war sie im Fernsehen zu sehen, auch bei RTL, im ZDF und im Hessischen Rundfunk. Vergeblich bemühte sich Jörg Pilawa für sein Quiz um die alte Dame.

Als sie vorige Woche in die Klinik in Ziegenhain musste, habe eine der Schwestern die Mutter eine Legende in der Schwalm genannt. „Generationen von Familien haben ja bei ihr den Führerschein gemacht“, so Tochter Elisabeth Fahlbusch.

Was ihr fehlte, wurde nicht mehr genau herausgefunden. Am Freitag starb Martha Knauf nach kurzer Krankheit im Krankenhaus. Anne Quehl

• Beerdigung: Heute (8.6.) Friedhof Neukirchen, 13.30 Uhr.

Quelle: HNA

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