Arzt bezeichnet Verweigerer als verantwortungslos

Kinderarzt: Nicht gegen Masern impfen ist wie: nicht anschnallen

Schwalm-Eder. Wer sein Kind nicht gegen Masern impfen lässt, handelt genauso unverantwortlich wie jemand, der sein Kind im Auto nicht anschnallt. Mit diesem Vergleich erklärt der Fritzlarer Kinderarzt Dr. Martin Glück, warum er die Impfung für so wichtig hält.

Die Krankheit dürfe keinesfalls unterschätzt werden, sagt auch Dr. Peter Urban, Chef des Kreisgesundheitsamtes. Die Impfquote im Schwalm-Eder-Kreis liege bei 90 Prozent. Um die Krankheit jedoch auszurotten, wie es die Weltgesundheitsorganisation möchte, wären laut Urban 95 Prozent notwendig.

Nach einem Masernausbruch in Berlin und in Köln war eine Diskussion um eine Impfpflicht ausgebrochen. Genau wie Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) lehnt auch Dr. Urban ab. Er gehe davon aus, dass überzeugte Impfgegner auch mit einer Pflicht nicht zu bekommen seien: „Die sind mit Sachargumenten kaum zu bekehren.“

Das Gesundheitsamt setzt stattdessen auf Aufklärung und Beratung. So gehen Mitarbeiter in die Schulen und lassen sich von den Eltern die Impfpässe mitbringen. Die Kinder bekommen dann Zettel mit Impfempfehlungen mit nach Hause. „Das bringt eine ganze Menge“, sagt Urban.

In Extremfällen kann das Gesundheitsamt Schulschließungen anordnen. Möglich ist es auch, Kindern und ihren Geschwistern bei ansteckenden Krankheiten den Schulbesuch zeitweise zu untersagen.

Wer einmal ein an Masern erkranktes Kind gesehen habe, wisse um die Gefahr, sagt Urban. Zu den möglichen Folgen gehört die gefährliche Masern-Meningitis, eine Hirnhautentzündung. Sie endet oft tödlich oder mit geistigen Behinderungen. Auch Lungen- und Mittelohrentzündungen könnten als Folge der Masern auftreten. Im Landkreis ist bisher kein Ausbruch zu beobachten, im Schnitt gebe es jährlich einen Masern-Fall.

Quelle: HNA

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