Eigentümer bleibt auf Kosten sitzen

Messies hinterlassen Schrottwohnung in Olberode

Messies: Berge von Müll haben Mieter im Elternhaus von Lothar Maurer hinterlassen. Die Müllentsorgung sowie die Renovierung der zwei Wohnungen im Oberaulaer Ortsteil Olberode wird einige zigtausend Euro kosten. Fotos: Löwenberger/nh

Olberode. Es stinkt bestialisch. Der Weg in die Wohnung wird zum Hindernisslalom. Unter den Schuhen knirscht eine Mischung aus Dreck, Mäusekot, irgendwelchem Kleintier- oder Vogelfutter und Essensresten.

Brechreiz kommt auf. Nur nichts berühren, bloß nichts anfassen, signalisiert das Gehirn.

Am Montag hat Lothar Maurer die Türen zu den Wohnungen in seinem Elternhaus in Oberaula-Olberode von der Feuerwehr aufbrechen lassen, nachdem die Mieter seit Monaten verschwunden sind.

Dreck, Chaos und Müllberge

Schon der erste Blick deutet auf ein Chaos hin, das wahre Ausmaß der Katastrophe zeigt sich aber erst beim tieferen Eindringen in die Müllberge. Teilweise müssen die Feuerwehrleute Zimmertüren gewaltsam eindrücken, weil sie sich wegen der dahinter liegenden Abfallberge nicht mehr öffnen lassen.

Überall liegen prall gefüllte Plastiksäcke herum, dazwischen große und kleine Kartons sowie Einkaufstüten. Was da alles drin ist, will Maurer gar nicht wissen. Jede Menge versiffte Klamotten, von der Unterhose bis zum Wintermantel vervollständigen das Bild gemeinsam mit mehr oder weniger zerstörten Möbeln, diversen Elektrogeräten und Resten von Zimmertüren. Verschmierte Töpfe und Teller, Essensreste, Konserven, teils geöffnet, teils noch verschlossen, machen den Anblick nicht angenehmer.

In den Bädern sind die Fliesen demoliert, in den Badewannen türmt sich zentimeterhoch eine undefinierbare Masse, die Toiletten mehr als verdreckt.

Blick in die Küche: Das Warndreieck in der Wohnung in Olberode hat Symbolcharakter.

„Ich habe im Fernsehen ja schon so manche Messiewohnung gesehen, aber das hier…“, angewidert bricht Lothar Maurer den Satz auf dem Weg nach draußen ab. Endlich wieder frische Luft. Wasser und Seife, zumindest für die Hände, wären jetzt höchst willkommen.

Seit etwa zehn Jahren bewohnte ein Ehepaar mit drei Kindern und Oma die zwei insgesamt rund 240 Quadratmeter großen Wohnungen in der ehemaligen Gaststätte. Als sie Anfang des Jahres auszogen, ahnte Lothar Maurer noch nichts von dem Chaos, sondern gab ihnen trotz ausstehender Mieten sogar noch Geld für Farben zur Renovierung.

Tausende Euro Schulden

Die schriftlich zugesagte Begleichung der Schulden erfolgte natürlich nicht. Rund 3000 Euro beträgt der Rückstand. Dazu kommen noch einmal zwischen 2500 und 3000 Euro reine Müllgebühren, Arbeitszeit für das Reinigen der Wohnungen nicht mitgerechnet.

„Das Schlimmste aber ist, dass ich hier alles rausreißen muss“, ärgert sich Maurer. Küchen, Bäder, Fußböden, Türen, vielleicht auch die Fenster müssten wohl entfernt werden. „Im Prinzip müssen die Wohnungen total entkernt werden.“

Bis die aus dem ehemaligen Saal entstandene große und die kleinere Wohnung im Obergeschoss des fast 150 Jahre alten Hauses wieder bewohnbar werden, wird einige Zeit ins Land gehen, und Maurer rechnet mit Kosten, die sich deutlich im fünfstelligen Bereich bewegen. (lö)

Quelle: HNA

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