Arnold Schnittger und sein behinderter Sohn machten Station in Wolfhagen

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Auf dem Weg von Nord nach Süd: Arnold Schnittger (Zweiter von links) durchquert mit seinem behinderten Sohn Nico (Mitte) Deutschland, um auf sein Projekt aufmerksam zu machen. In Wolfhagen begleitete ihn das Laufteam Wolfhagen.

Wolfhagen. Nico und Arnold Schnittger sind so etwas wie zwei Kämpfer auf Wanderschaft. Seit Mitte Juli tourt der Hamburger mit seinem behinderten Sohn quer durch Deutschland, um auf Missstände im Pflegebereich aufmerksam zu machen.

Gestern machten die beiden Station in Wolfhagen, wo Bürgermeister Reinhard Schaake sie auf dem Marktplatz begrüßte.

Sieben-Wochen-Reise

„Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, brauchen dringend bessere Rahmenbedingungen“, sagt der 61-jährigige Schnittgers, „um aufzurütteln, meckere ich mich nun mit Nico durch die Republik.“

Die beachtliche Strecke von Flensburg bis zum Bodensee will das Vater-Sohn Team in sieben Wochen hinter sich bringen. Der 18-Jährige wird dabei von seinem Vater im Rollstuhl geschoben. Je nach Lust und Laune legten sie täglich zwischen 20 und 40 Kilometer zurück. Geschlafen wird meist im Wohnwagen, der allabendlich angesteuert wird. In Wolfhagen hatte der Behindertenbeauftragte Wolfgang Hensel den beiden jedoch eine Hotelübernachtung organisiert.

Doch wie kam Arnold Schnittger eigentlich darauf, die Strapazen einer solchen Tour auf sich zu nehmen? „Ich werde immer älter, und wenn ich mich nicht mehr um meinen Sohn kümmern kann, wird er im Heim landen.“ Um das zu verhindern hat er den Verein Nicos Farm gegründet, der sich aktuell um die Realisierung eines Wohnprojektes kümmert: „Mein Traum ist es, dass behinderte Kinder, deren Eltern und auch Senioren gemeinsam unter einem Dach leben und sich gegenseitig unterstützen.“ Dafür und die grundsätzliche Verbesserung der Pflegesituation in Deutschland macht sich Schnittgers stark.“

50 Stopps entlang der Route

An 50 Stationen entlang seiner Route bietet sich dazu Gelegenheit – meist wird er dort von den Stadtoberhäuptern empfangen und nicht selten begleiten ihn auch Leute ein paar Kilometer bei seiner Wanderung.

Beobachtet man die beiden Schnittgers wird schnell klar, dass sie ein eingeschworenes Team sind. Zur Verständigung brauchen sie keine Sprache – ein bestimmter Gesichtsausdruck oder eine Geste lassen Vater Arnold meist erkennen, was sein Sohn ihm mitteilen will.

„Ziemlich beste Freunde, genau wie der Filmtitel, das sind wir“, bemerkt der Norddeutsche, der sich schon immer um seinen Sohn gekümmert hat. „Für mehr Liebe, Menschlichkeit und Respekt lohnt es sich zu kämpfen - auch behinderte Menschen haben ein Recht auf ein fröhliches Leben in Würde.“

Von Tanja Temme und Lasse Deppe

Quelle: HNA

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