Wenn Apotheken zu Pflegefällen werden

Medikamenten-Versorgung im Landkreis verschlechtert sich

Schwalm-Eder. Das Apothekensterben ist im Landkreis angekommen. In Homberg schließt ein zweiter Traditionsbetrieb binnen Jahresfrist. In Borken und in Fritzlar schlossen ebenfalls zwei.

Für Kunden bedeutet dies vor allem während der Notdienstzeiten deutlich längere Wege. Außerdem fallen Arbeitsplätze weg. Aktuell gibt es im Schwalm-Eder-Kreis noch 50 Apotheken, die dem Hessischen Apothekerverband mit Sitz in Frankfurt angeschlossen sind. „Die Abdeckung liegt noch bei 97 Prozent, wird sich aber in den kommenden Jahren deutlich verschlechtern“, sagt Kirsten Müller-Kuhl, Sprecherin des Verbandes. Mit den Arztpraxen würden auch die Apotheken schließen.

26 Apotheken sind schon weg

Im Jahr 2011 hätten in Hessen bereits 26 Apotheken geschlossen – so viele wie nie zuvor im selben Zeitraum, sagt sie. Die Gründe ähnelten denen bei Arztpraxenschließungen:

• Nachfolger seien nur schwer zu finden, qualifiziertes Personal wolle oft nicht aufs Land,

• die Gewinnspannen seien nach gesetzlichen Reformen (Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz von 2011) deutlich geschrumpft,

• Konkurrenz durch Versandhandel/Internetapotheken zerstöre den Markt und

• der Verwaltungsaufwand nehme ständig zu.

„Nachfolger verzweifelt gesucht“, heißt es für die Löwenapotheke in Homberg. Das Traditionsunternehmen, seit 350 Jahren am Marktplatz, wird nächstes Jahr schließen. „Ich suche händeringend einen Käufer“, sagt Birgitt Oehr, die 70-jährige Eigentümerin. Schließt sie die Apotheke, verliert sie einen Teil ihrer Altersvorsorge. Der Verkaufserlös dient den Apothekern seit jeher zu diesem Zweck.

Es bestehe die Gefahr, dass Serviceangebote wie Lieferdienste, die Apotheken-Umschau, Pröbchen und anderes eingestellt werden müssten, sagt Müller-Kuhl.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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