Medizin und medizinische Geräte aus Homberg an  syrische Grenze

Diese beiden Mädchen und viele andere warten im Flüchtlingslager auf Hilfe.

Schwalm-Eder. Sie fliehen vor Schießereien, Folter und Bombenterror: Mehr als 8000 Menschen verlassen Syrien täglich in Richtung Jordanien, Libanon, Türkei, Irak oder Ägypten. "Das Leid ist groß", sagt Hassan.

Er ist Syrer, lebt schon lange mit seiner Familie in Homberg. Heute fliegt er in die Türkei, um dort in einem Flüchtlingslager an der Grenze zu Syrien dabei zu sein, wenn endlich der voll beladene Laster ankommt, den er und zahlreiche Helfer aus dem Landkreis am vergangenen Wochenende von Homberg aus auf die Reise geschickt haben.

15,5 Tonnen Hilfsmittel, Medikamente, Rollstühle, Krankenbetten und medizinischen Geräte wie Beatmungsmaschinen, Ultraschallgeräte und mehr hatten sie in den vergangenen Monaten gesammelt. Stolz und dankbar zugleich sind die Helfer, dass sie den großen Laster beladen haben.

"Es ist wichtig etwas zu tun", sagt Margitta Hermann von der Praxis Subayi aus Gudensberg. Das Team der Praxis hat sich ebenfalls für die Spendenaktion stark gemacht. Gemeinsam mit Hassan, der seinen Nachnamen nicht nennen will, weil er in Syrien lebende Angehörige nicht in Gefahr bringen will, haben sie Kontakte zu Kliniken und Ärzten in Syrien und im Flüchtlingslager geknüpft. "Es fehlt an allem", sagt Hassan.

In Homberg, Gudensberg und Melsungen haben sie Spender gefunden. Besonders dankbar sind sie dem Homberger Sanitätshaus König, der Gudensberger Burg-Apotheke und der Firma B. Braun Melsungen. Sie haben sich mit Großspenden beteiligt. Unterstützung gab es auch vom Verein "Hand in Hand für Syrien" und auch zahlreiche Menschen aus dem Landkreis haben sich beteiligt. "Es könnten aber noch mehr sein", sagt Hassan und hofft auf weitere Hilfe. Denn das Leid der Flüchtlinge könne mit einer Lkw-Ladung nicht geheilt werden.

"Es ist sehr anstrengend das alles zu organisieren", sagt Margitta Hermann. Derzeit hoffen die Helfer, dass der Laster gut ankommt und die Ladung verteilt werden kann. "Um ein wenig von der Not zu lindern." Doch lohne sich der Aufwand. "Wir können Leben retten und Menschen helfen." Das könne übrigens auch jeder Einzelne: "Wer Medikamente übrig oder abgelaufenen Medikamente hat, kann sie in der Burg-Apotheke in Gudensberg abgeben. Dort werden sie überprüft und, falls möglich, auch gespendet."

Es ist Hassan eine Herzensangelegenheit zu helfen. Er zeigt Bilder von leeren Medikamentenschränken und Kindern mit Kriegsverletzungen, von zwei Mädchen, die ihre Eltern in dem blutigen Bürgerkrieg verloren haben und von Menschen, die im Winter in Zelten leben. Die Fotos hat Hassan von seinem ersten Aufenthalt im Flüchtlingslager mitgebracht.

"Diese Menschen und ihre Not gehen mir nicht mehr aus dem Kopf", sagt er. "Es sind menschliche Tragödien", fügt er leise an. Wer das einmal gesehen habe, der könne nicht anders und müsse helfen. "Es sollte uns allen eine Verpflichtung sein", sagt Hassan. Dann sagt er, dass man all den verletzten, verwaisten und armen Menschen doch zeigen müsse, dass sie nicht allein seien. Und dass sie nach Folter und Bombenterror nun endlich in Sicherheit und willkommen seien. Kontakt: Margitta Hermann, Tel. 05603/93260

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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