Studie: 6670 Berufstätige 2012 auf zusätzliche Einnahmen angewiesen

Mehr Berufstätige im Kreis Kassel haben Nebenjob

Kreis Kassel. Immer mehr Menschen im Kreis Kassel kommen mit ihrem Verdienst nicht mehr über die Runden und haben daher einen Zweit- oder Dritt-Job. Laut einer Untersuchung des Pestel-Instituts in Hannover waren im vergangenen Jahr im Landkreis mehr als 6670 Berufstätige auf einen Mini-Job als zusätzliche Einnahmequelle angewiesen.

Die Studie hatten die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Auftrag gegeben.

Demnach ist die Zahl derjenigen, die neben ihrer Hauptbeschäftigung einen Mini-Job als Nebenjob haben, in den vergangenen Jahren im Kreis Kassel drastisch gestiegen: „Blickt man zehn Jahre zurück, so hat es eine Zunahme von rund 112 Prozent gegeben“, sagt Studienleiter Matthias Günther vom Pestel-Institut. 2012 hätten sich nahezu sieben Prozent der Beschäftigten mit einem 400-Euro-Job etwas dazuverdient.

Harald Fennel, Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Nordhessen, macht für das „Multi-Jobben“ vor allem Niedriglöhne verantwortlich. „Auf der einen Seite werden Stundenlöhne bezahlt, die im Keller sind. Auf der anderen Seite steigen die Lebenshaltungskosten.“ Da seien Niedrigverdiener gezwungen, zur Zweit-Arbeit zu gehen.

Gesetzlicher Mindestlohn

Abhilfe kann nur ein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn schaffen - darin sind sich ver.di und NGG einig. „8,50 Euro pro Stunde – das ist der Mindestpreis, den Arbeit bei uns hat. Wer heute für weniger Geld arbeiten muss, der hat keine Chance, von dem, was er verdient, auch leben zu können“, sagt der Geschäftsführer der NGG-Region Nordhessen, Andreas Kampmann.

Er macht deutlich, dass selbst ein Mindestlohn von 8,50 Euro am Ende gerade einmal für ein Leben reiche, das „haarscharf über dem Hartz-IV-Niveau“ liege. Die generelle Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde könne daher nur ein Einstieg sein.

Von Esther Beller

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Symbolbild

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare