10-Minuten-Hilfsfrist: Schneller vor Ort dank „Rendezvoussystem“

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Schneller vor Ort dank „Rendezvoussystem“: Es besteht darin, dass sich das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) und das Mehrzweckfahrzeug (MFZ), wie hier bei einem Einsatz in München, an der Einsatzstelle treffen. Dem entgegen steht der Notarztwagen, hier kommt der Arzt mit dem Mehrzweckfahrzeug zur Einsatzstelle und ist an das Fahrzeug gebunden. Foto: dpa

Wolfhager land. Die 10-Minuten-Hilfsfrist ist einer der wichtigsten Faktoren, der verrät, ob der Rettungsdienst gut oder schlecht geplant worden ist. Denn er besagt, wie lange es in der Praxis dauert, bis die Hilfskräfte am Unfallort sind.

Auf dem Weg dorthin gibt es allerdings einige Hindernisse, die die Statistik nicht erfasst. „Das Eine ist die planerische Situation, das Andere ist die Realität“, sagt deshalb Jürgen Barchfeld, Abteilungsleiter Rettungsdienst für Stadt und Landkreis Kassel. Barchfeld nennt ein Beispiel: „Wenn die Hausnummern nicht richtig ausgeleuchtet sind, können wir die Zeiten nicht immer einhalten“, so Barchfeld.

Besonders häufig würden Autofahrer zu spät an den rechten Straßenrand fahren. Auch Baustellen und Staus auf dem Weg zum Unfallort seien nicht unproblematisch.

Drei Wachen, neun MZF

Die Mehrzweckfahrzeuge (MFZ) und die Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) verteilen sich auf drei Rettungswachen mit neun Fahrzeugen im Wolfhager Land. Alarmiert wird immer die Wache, die am nächsten am Unfall ist.

Für die Besetzung von NEF und MFZ ist im Wolfhager Land eine Hilfsorganisation beauftragt, so Barchfeld. In Bad-Emstal und in Habichtswald sei dies der ASB-Nordhessen, für die Rettungswache Wolfhagen sei die DRK-Rettungsdienst Kassel GmbH zuständig.

„In Istha wird von der Leitstelle ein MZF positioniert, wenn zwei von den drei Rettungswachen nicht mehr besetzt sind und deren Fahrzeuge im Einsatz sind“, so Barchfeld. Dadurch könnten im Notfall Versorgungsbereiche der Rettungswachen Wolfhagen, Bad-Emstal und Habichtswald von Istha aus besser abgesichert werden. „In Breuna können wir auch auf ein MFZ in Warburg zugreifen, an der Grenze zu Hofgeismar greifen wir auf Schaumburg zurück.“

90 Prozent der Sanitäter und Rettungsassistenten im Landkreis arbeiten hauptamtlich. „Im Durchschnitt sind zehn Personen einem Fahrzeug zugeordnet“, sagt Barchfeld. Zum Einsatz fahren würden immer ein Rettungssanitäter (Fahrer) und ein Rettungsassistent im MFZ und ein Arzt im NEF. „Der Hubschrauber hat primär das Ziel, den Arzt an die Einsatzstelle zu bringen. Die notärztliche Versorgung wird von den NEF sichergestellt“, so Barchfeld.

Der Hubschrauber komme ergänzend zum Einsatz. „Er steht nicht 365 Tage im Jahr und 24 Stunden pro Tag zur Verfügung.“ Er werde eingesetzt, wenn er gegenüber dem NEF einen signifikanten Zeitvorteil habe, oder wenn das zuständige NEF im Einsatz sei.

Bei den Notärzten handelt es ist meistens um Krankenhausärzte aus der Intensivstation und der Anästhesie. Rund zehn Ärzte stehen im Wolfhager Land auch außerhalb ihrer Arbeitszeit zur Verfügung. Sie werden mit einem Piepser benachrichtigt.

Hintergrund:

Die 10-Minuten-Hilfsfrist besagt, dass in 90 Prozent der Notfalleinsätze in zehn Minuten und in 95 Prozent der Unfallort in 15 Minuten erreicht werden muss. Der Rettungsdienst wird in Hessen nach dem 1998 in Kraft getretenen Hessischen Rettungsdienstgesetz organisiert und durchgeführt. Die Stadt Kassel ist Träger des Rettungsdienstes in Stadt und Landkreis. Ausführende Behörde ist die Feuerwehr Kassel, Abteilung Rettungsdienst.

Die Rettungsdienst-Standorte: Bad-Emstal hat zwei Mehrzweckfahrzeuge (MFZ). Wolfhagen hat drei MFZ’s, ein Notarzteinsatzfahrzeug steht an der Kreisklinik in Wolfhagen. Habichtswald hat zwei MFZ’s. (nni)

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

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