Tägliche Anfragen von Flüchtlingen

Mehr Fälle von Kirchenasyl in Region

Wolfhager Land. Verstärkt werden Kirchengemeinden im Wolfhager Land mit der vorübergehenden Aufnahme von Flüchtlingen konfrontiert. Die Ursachen hierfür sehen die Kirchen in der Flüchtlingspolitik.

Sowohl Dekan Dr. Gernot Gerlach vom evangelischen Kirchenkreis Wolfhagen, als auch Dechant Harald Fischer, oberster Geistlicher der katholischen Kirche in der Region, bestätigen, dass Fälle von Kirchenasyl vor allem seit Herbst vergangenen Jahres zugenommen haben.

Wöchentlich erreichten die evangelischen Gemeinden in der Region bis zu fünf Anfragen, sagt Gerlach. Im katholischen Dekanat würden die Mitarbeiter täglich mit Anfragen von Flüchtlingen konfrontiert, denen die Abschiebung droht und die um ihr Leben bangen.

Die Menschen, die bei den Kirchen Hilfe suchten, seien in einer extremen Notsituation, sagt Fischer. Aus Kapazitätsgründen müssten 95 Prozent der Anfragen abgelehnt werden. Ihm, Fischer, gehe es mit der aktuellen Situation sehr schlecht, „es ist ein gesellschaftliches Problem, das politisch nicht gelöst ist“.

Diese Einschätzung teilt auch Gerlach. Weil sich die Europäer auf keine einheitliche Flüchtlingspolitik einigen könnten, komme es immer wieder zu menschlichen Tragödien. Letztlich entscheiden die Mitglieder eines Kirchenvorstands, ob sie Kirchenasyl gewähren. Bei der Bewertung der Situation kann bei der evangelischen Kirche eine sogenannte Clearingstelle hinzugezogen werden. Dort würden Rechtsanwälte die Argumente abwägen. In der Region wurde nach Angaben Gerlachs seit 2014 vier Mal Kirchenasyl gewährt, in den katholischen Gemeinden des Wolfhager Landes sind zwei Fälle bekannt.

Dr. Gernot Gerlach geht davon aus, dass sich die Situation in den kommenden Monaten noch weiter zuspitzen wird. „Die politischen Ziele sind nicht erreicht, die Ursachen von Flucht nicht bekämpft.“

Hintergrund - Offene und stille Verfahren

Kirchenasyl ist ein zeitlich befristeter Schutz für Menschen, denen die Abschiebung droht und die aufgrund der Abschiebung um Leib und Leben bangen. Ziel ist meistens die wiederholte Prüfung des Asylverfahrens. Überwiegend werden die beteiligten Behörden von den Kirchen über Kirchenasyle in Kenntnis gesetzt. Unterschieden wird offenes und stilles Kirchenasyl. Bei den offenen Verfahren soll mithilfe der Öffentlichkeit der Schutz für die Betroffenen erhöht werden. Bei den Kirchenasylen in der Region handelt es sich um stille Asyle. Hierbei werden die Medien nicht über Einzelfälle informiert. Im Fokus stehen die Verhandlungen mit den Behörden.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Kanbach

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