Viele sind jünger als 15 Jahre

Mehr Jugendliche leiden unter Alkoholsucht

Schwalm-Eder. Alkoholsucht unter Jugendlichen ist im Schwalm-Eder-Kreis ein dauerhaftes und weiter zunehmendes Problem. 92 junge Menschen suchten zuletzt die Hilfe der Homberger Suchtberatung, sechs mehr als im Jahr zuvor.

Und die Jugendlichen geraten immer früher in die Abhängigkeit. „Unser jüngster Klient war zwölf Jahre alt“, berichtet Helga Sydes, Leiterin der Suchtberatungsstelle des Landkreises. Jeder siebte Minderjährige, der sich dort in diesem Jahr beraten ließ, war jünger als 15 Jahre.

Komasaufen, das zuletzt immer wieder für Schlagzeilen sorgte, gilt als besonders gefährlich. Die Fachleute wissen, dass nur ein kleine Gruppe von Jugendlichen betroffen ist, die allerdings regelmäßig. „Zum Teil werden große Menge in so kurzer Zeit konsumiert, dass das körpereigene Alarmsystem nicht mehr reagiert“, berichtet Helga Sydes. Die akut lebensgefährliche Folge: Es kommt nicht nur zum Zusammenbruch, sondern zum Atemstillstand, Komasäufer müssen mitunter reanimiert werden.

Heike Eckert, Leiterin der Hephata-Suchtberatungsstelle, hat die Erfahrung gemacht, dass einige der jugendlichen Alkoholpatienten jedes zweite Wochenende im Krankenhaus landen. „Alkohol ist gerade im ländlichen Bereich ein sensibles Thema“, weiß sie. Spätestens mit der Konfirmation und dem Eintritt in eine Burschenschaft kämen viele mit Hochprozentigem in Kontakt. Hilfreich sei die Regelung, dass Minderjährige auf Kirmessen Armbänder tragen, die sie als Alkoholkonsumenten ausschließen.

Nicht nur Alkohol macht junge Menschen abhängig. „lllegale Drogen sind zur Zeit so weit verbreitet wie nie zuvor“, so Heike Eckert. Kein Jugendlicher leide unter nur einer Sucht, immer öfter gehe Alkoholabhängigkeit Hand in Hand mit dem Konsum von Marihuana und chemischen Drogen.

Von Claudia Schittelkopp

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Quelle: HNA

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