Frühjahrstagung: Verband hessischer Kommunalarchivare in Felsberg

Mehr Schüler ins Archiv

Dr. Irene Jung

Felsberg. Hessens Schüler und Lehrer sollten die Archive in den Städten und Gemeinden intensiver, aber auch besser vorbereitet nutzen. Dazu hat der Verband hessischer Kommunalarchivare (VhK) in Felsberg aufgerufen. „Schüler im Archiv“ lautete das Thema der Frühjahrstagung und Mitgliederversammlung.

Der Verband hat 85 Mitglieder. „Während an Staats- und großen Stadtarchiven oft Lehrer als Archivpädagogen tätig sind, müssen die Mitglieder unseres Verbandes fast immer ohne eigene Archivpädagogen auskommen”, sagte die Vorsitzende des Verbandes, Dr. Irene Jung. Sie leitet das Historische Archiv der Stadt Wetzlar.

Welche Möglichkeiten haben Kommunalarchivare in kleinen Einrichtungen, Schüler und Lehrer zum Besuch zu motivieren und wie können sie das Archiv zu einem außerschulischen Lernort gestalten? Darüber wurde intensiv diskutiert. „Das Archiv muss selbst die Initiative ergreifen“, erklärte Irene Jung. Und: „Wir wollen nicht nur Menge im Archiv haben, sondern auch sachkundige und informierte Schüler und Lehrer.“

Zeit mitbringen

Wunsch der Archivare sei, dass sich Schüler und Lehrer vorher Gedanken darüber machen, was sie wissen wollen und Zeit mitbringen. Schüler könnten nicht erwarten, dass sie – etwa bei einer Stadtrallye – „Antworten per Knopfdruck“ bekommen oder wenn sie einfach sagen: „Dazu habe ich im Internet nichts gefunden.“

Oft sei Schülern nicht der Unterschied zwischen Bibliothek und Archiv oder zwischen Museum und Archiv klar. Es komme vor, dass Schüler fertige Texte erwarten und der Meinung seien, ein Archiv arbeite wie eine Auskunftei. Ein Problem sei auch, „dass sich die Lehrer nicht auskennen.“

Lehrpläne im Internet

Die Archivare sollten nach den Worten von Dr. Jung wissen, was in den Schulen gefragt sei. Die Lehrpläne für die hessischen Schulen stünden im Internet. So sei zum Beispiel das Leben und Wirtschaften im Mittelalter Thema der achten Jahrgangsstufe.

„Es gibt keinen besseren Ort für das historische Lernen als das Archiv“, betonte Irene Jung. So werde im nächsten Jahr zum Beispiel der Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 ein ganz wichtiges Thema in den Schulen sein. Wie die Teilnehmer berichteten, gibt es Archive, die Arbeiten der Schüler übernehmen, Praktika und Fortbildungen anbieten. „Wir sind die Fachleute für Geschichte“, hieß es.

Scharfe Kritik übte Irene Jung daran, dass im neuen Hessischen Archivgesetz die Archivberatungsstelle Hessen in Darmstadt nicht mehr enthalten sei und die Kommunalarchive nicht mehr beraten würden. 1,5 Stellen seien eingespart worden. • Kontakt: Dr. Irene Jung, Historisches Archiv der Stadt Wetzlar, Tel. 0 64 41/ 99 10 80, E-Mail: archiv@wetzlar.de; www.vhka.de

Von Manfred Schaake

Quelle: HNA

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