Viele Bestatter befürworten längere Aufbewahrungsfrist für Verstorbene

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Würde den Angehörigen gern mehr Zeit geben: Bestatter Jochen Heinemann aus Wolfhagen befürwortet eine Verlängerung der Aufbewahrungsfrist für Verstorbene.

Wolfhager Land/Kassel. Sind die Aufbewahrungsfristen für Verstorbene in Hessen zu kurz? Die Meinungen dazu sind bei hiesigen Bestattern geteilt.

Dominik Kracheletz, Chef des gleichnamigen Kasseler Unternehmens und Vorsitzender des Bestatterverbands Hessen, befürwortet eine Fristverlängerung von vier auf zehn Tage, wie sie auch die Interessenvertretung der bestattenden Tischler fordert.

„Ganz oft schaffen wir es nicht, die 96 Stunden einzuhalten“, argumentiert Kracheletz. Die geltende Frist bis zur Bestattung sei zu knapp. Eine Verlängerung auf zehn Tage sei deshalb sinnvoll. „Dann haben wir nicht so viel Druck.“ Die Lebensumstände der Menschen hätten sich geändert, sagt der Bestattermeister. Die Angehörigen wohnten nicht mehr wie früher alle in derselben Stadt. Sie könnten nicht mehr am gleichen Tag Abschied von dem Verstorbenen nehmen.

Bestatter Alexander Langfeld aus Wolfhagen sieht das genauso. „In 80 Prozent der Fälle wird die Frist überschritten. Eine Verlängerung würde nicht die Situation an sich ändern, aber den Druck von den Angehörigen nehmen.“

Auch der Wolfhager Bestatter Jochen Heinemann hat nichts gegen eine Fristverlängerung. „Oft ist es besser, wenn man mehr Zeit bis zur Beisetzung hat“, sagt er. Verwandte müssten oft Urlaub nehmen und anreisen. „Zehn Tage sind aber teilweise zu lang, besonders im Sommer. Ich bin für acht Tage mit einer zusätzlichen Karenzzeit von zwei Tagen“, so Heinemann. „Man weiß nie, wie die Situation der betroffenen Familie ist. Deshalb ist eine längere Frist sinnvoll“, fügt er hinzu.

Bestattungsunternehmer Rainer Kramer aus Naumburg findet eine Verlängerung der Frist in Ordnung, sieht aber ein anderes Problem im hessischen Friedhofs- und Bestattungsgesetz: „Um einen Leichnam transportieren zu dürfen, benötige ich die Sterbeurkunde. Ausnahmen sind nur innerhalb des Landkreises erlaubt“, erklärt er. Oft würde er von Familien aus dem nahen Schwalm-Eder-Kreis beauftragt. Dann könne er den Leichnam nicht sofort abholen, auch wenn die Familie dies wünsche.

Bestatter Rüdiger Dotting aus Habichtswald sieht keinen Grund für die Fristverlängerung. „Wir haben zwar Möglichkeiten zur Kühlung, aber unsere Kunden fragen nicht nach tagelanger Aufbewahrung“, sagt Dotting. Im ländlichen Raum würden die Verwandten nah beieinander wohnen. „Eine Frist von sechs Tagen wäre sinnvoll“, fügt er an.

„Vier Tage sind zu kurz“, sagt Carsten Eichenberg von der Friedhofsverwaltung in Hofgeismar, die in Vertretung auch den Wolfhager Friedhof mitbetreut. „Am Wochenende ist die Frist schwer einzuhalten.“ Es dauere lange, bis Traueranzeigen erschienen und Verwandte angereist seien.

Quelle: HNA

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