Für 90 Tage ins Kloster

Mein besonderes Jahr: Frank Siemon will buddhistischer Mönch werden

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Besuch des Wat Pha Sorn Kaew: Im jüngsten Urlaub ging es für Frank Siemon aus Albshausen zu diesem Kloster in Nord-Zentral-Thailand. Siemon wird im kommenden Jahr drei Monate im buddhistischen Kloster in Dillich als Mönch leben.

Albshausen. Drei Monate lang mit kahl geschorenem Kopf und Kutte im Kloster meditieren und das letzte Essen am Tag um 12 Uhr zu sich nehmen. Das erwartet Frank Siemon aus Albshausen im kommenden Jahr. Der 59-Jährige wird im Sommer drei Monate im Kloster Dillich zum Mönch ausgebildet.

Wieso er das macht? „Um zu lernen, mich von negativen Erlebnissen zu lösen. Denn nur dann kann man glücklich werden.“

Siemon, der im Vorstand des Dillicher Buddhisten-Vereins ist, hat seit vielen Jahren eine starke Verbindung zu Thailand. Bestimmt 25 Mal war er schon dort, schätzt er, das erste Mal Anfang der 1980er-Jahre, später auch beruflich. Auch seine Ehefrau, mit der er vergangenes Jahr Silberne Hochzeit gefeiert hat, lernte er in Thailand kennen. „Der Buddhismus hat mich schon immer interessiert“, sagt Siemon, der unter anderem für Thyssen Henschel arbeitete.

Die Lehren des Buddhismus hätten weniger mit Glauben und Religion zu tun, sondern seien eher wie eine Wissenschaft zu betrachten. Sie seien darauf bezogen, was wir tun und nicht tun und welche Folgen unsere Handlungen haben. „Ich bin zwar evangelisch getauft und aufgewachsen, aber mit der Religion konnte ich nie etwas anfangen.“ Der Buddhismus lasse den Menschen die Freiheit, so weit zu glauben, wie sie es nachvollziehen können. Im Buddhismus seien zudem alle Religionen gleich. „Der Buddhismus würde sich nie über andere Religionen stellen.“

In den drei Monaten, die Siemon im Kloster verbringen wird, muss er sich an Regeln halten. Dort beginnt der Tag um 5 Uhr mit einem zweistündigen Mediationskurs. Meditieren gehört bei Siemon aber schon lange zum Alltag. Seit etwa vier Jahren meditiert er ein- bis zweimal am Tag. „Mir hilft es, in einen besseren Ruhezustand zu kommen.“

Gegen 12 Uhr gibt es Mittagessen im Kloster. „Das ist die letzte Mahlzeit des Tages“, sagt Siemon. „Danach darf man nichts mehr essen, nur trinken.“ Alkohol ist tabu, genau wie das Anfassen der Nonnen, die auch im Kloster wohnen. „Man darf sich auch nicht die Hände schütteln.“ Und wie es sich für einen echten Mönch gehört, wird Frank Siemon auch Haare lassen müssen. Den Kontakt zu seiner Familie müsse er aber in den drei Monaten nicht gänzlich abbrechen. „Telefonieren ist schon erlaubt.“

Im Schloss Dillich: von links Nonne Punnada Thawanwongsri, dahinter Vorsitzer Thitiwat Plangkamon, Meister Amnat Klanpracha und Frank Siemon.

Tagsüber lernt Siemon in Seminaren die Lehren des Buddhismus. Die will er nicht nur für sein Leben nutzen, sondern auch anderen helfen. „Ich möchte ein Buch schreiben mit buddhistischen Hilfestellungen.“ Denn es sei äußerst schwierig, die thailändischen Lehren so ins Deutsche zu übersetzen, dass die Botschaft auch richtig ankommt. „Es ist furchtbar schwierig, das in Worte zu fassen.“ Auch die Seminare, an denen Siemon in Dillich teilnehmen wird, werden vom Meister Prakrubeideeka Amnat Opaso auf thailändisch gehalten. Ein Schweizer Buddhist übersetzt vor Ort. Frank Siemon will im Kloster vorrangig eines lernen: Negative Erlebnisse so im Gedächtnis abzuspeichern, dass sie ihn nicht am Glücklichsein hindern. Insbesondere Enttäuschungen innerhalb der Familie seien es, die ihn immer wieder einholten. „Davon möchte ich mich lösen und mein Gedächtnis umprogrammieren.“

Zur Person

Frank Siemon (59) ist im Melsunger Stadtteil Adelshausen aufgewachsen und lebt nun seit 28 Jahren in Albshausen. Er arbeitete unter anderem im Bereich Steuerungstechnik bei Thyssen Henschel. Später war er beispielsweise für den Ingenieurdienstleister Brunel tätig und für Bavaria Yachtbau. Heute arbeitet er im Bereich Gebäudeservice. 1983 verschlug es Siemon zum ersten Mal nach Thailand. Dort lernte er auch vor 26 Jahren seine Ehefrau kennen, mit der er einen Sohn (24 Jahre) hat. Siemon hat drei Stieftöchter und fünf Enkelkinder. Einer seiner Schwiegersöhne betreibt in Reinhardshausen (Bad Wildungen) ein Thai-Restaurant. Nahezu alle Familienmitglieder helfen mit. Siemon will deshalb auch bald Albshausen den Rücken kehren.

Quelle: HNA

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