Einen Vormittag unterwegs mit dem Osterhasen-Express von Eierfrau Helga Hebeler

Die meisten mögen’s weiß

Sortieren die Eier ein: Seit einem halben Jahrhundert sind Johanna und Helmut Hebeler im Eier-Geschäft.

Borken. Eines vorweg: Hühner legen vor Ostern nicht mehr Eier. „Sie sind nicht im Stress, wir aber schon“, sagt Helga Hebeler. Sie ist in den vergangenen Tagen als Osterhasen-Express unterwegs. So nennt sie es, wenn sie mit ihrem mit weißen, brauen und bunten Eiern beladenen Auto von einer Haustür zur nächsten fährt. Doppelt- und dreifach so viele Eier wollen die Kunden in diesen Tagen haben – Helga Hebeler bringt sie den Kunden von ihrem Geflügelhof in Neuental-Römersberg bis nach Hause und sogar bis an den Arbeitsplatz. Egal ob Bank, Schuhhaus, Blumengeschäft oder Büro.

Über 1000 Eier hat Helga Hebeler in ihr Auto geladen. Wie jeden Mittwoch. „Die Leute essen auch nicht mehr Eier“, räumt Hebeler mit einem Vorurteil auf. Stattdessen werden zu Ostern mehr Eier gekauft, dafür herrscht aber in den zwei Wochen nach dem Fest Flaute. „Dann werden kaum Eier gekauft und das ist gut für uns“, sagt sie. Denn in dieser Zeit könne sich ihr Betrieb wieder einen Vorrat anlegen. Man könne ja kein Huhn zwei Tage am Stück Eier legen lassen und dann zwei Wochen in den Urlaub schicken.

Hupen kündigt sie an

Den ersten Halt auf ihrem Weg von Römersberg nach Borken legt Helga Hebeler in Trockenerfurth ein. Ein paar rhythmische Drücker auf die Hupe und schon ist er raus, der Ton, der die Eierfrau ankündigt. „Das ist mein typisches Signal“, sagt Hebeler, während sie aus dem Auto steigt, sich die Eier schnappt und sie zu einer älteren Dame bringt. 30 statt der bestellten 20 Eier hätte die 85-Jährige gerne. Kein Problem. Ein paar Eier mehr als von den Kunden gewünscht, hat die Diplomlandwirtin immer dabei. Kurz noch ein Ostergruß.

Weiter geht es zu einem älteren Ehepaar. Hebeler kennt ihre Kunden gut – viele von ihnen schon seit Jahren. Heute geht es der Kundin nicht gut, sie hat starke Schmerzen in einem Bein. Helga Hebeler findet kurze aber verbindliche und tröstende Worte. 60 bunte und 20 normale Eier ordert das Paar. Wieder mehr, als vorbestellt. „Doch was will man machen, wenn die Familie zu Besuch kommt“, sagt der Mann und zahlt für seine Lieferung. Weiter geht es.

Ein kurzer Blick auf die lange Bestellliste und schon grübelt Hebeler darüber, ob sie lieber gleich ein paar mehr Eier als bestellt wurden, mit hinein nimmt. Gesagt, getan.

Den ganzen Tag verbringt Helga Hebeler mit der Auslieferung. Zwischen durch muss sie kurz nach Hause – nachladen. „Nach der Mittwochstour bin ich abends total geschlaucht vom vielen Laufen und Treppensteigen“, sagt sie und stoppt schon vor dem nächsten Haus.

„Ein Hahn unter 1400 Hühnern hat nicht viel zu melden.“

Helga Hebeler

Diesmal geht es in ein Bürogebäude. Eine Sammelbestellung für mehrere Kollegen. Danach geht es auf direktem Weg zu einem Kreditinstitut. Wieder eine Großbestellung von mehreren Kollegen. „Wie werden ihre Hühner gehalten?“, fragt Wolfgang Strauß. „In Bodenhaltung“, sagt die Geschäftsfrau. Schon will der Kunde wissen, ob denn auch ein Hahn unter den 1400 Hennen lebe. „Einer, doch der hat nicht viel zu melden“, sagt Hebeler und alle lachen. Vor allem die weißen Eier sind jetzt nicht nur unter den Kollegen gefragt. „Das kann nur am Eierfärben liegen. Denn das ganze Jahr über bevorzugen die meisten Kunden sonst die braune Eier“, sagt Hebeler und steigt wieder ins Auto. Jetzt geht es nach Hause, Eiernachschub besorgen.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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