Tag gegen den Lärm

"Krach geht durch Mark und Bein": Melsunger leiden unter Sanierung der Ortsdurchfahrt

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Freut sich, wenn die Sanierung der Melsunger Ortsdurchfahrt endlich abgeschlossen ist: Anne Donk wohnt mit ihrem Mann an der Kasseler Straße. Das Paar ärgert sich, dass trotz Durchfahrtsverbot zahlreiche Lastwagen die Straße passieren. 

Melsungen. Die Welt wird immer lauter: Darauf macht die Deutsche Akustik-Gesellschaft beim Tag gegen den Lärm aufmerksam. In Melsungen ist ein Lärmschwerpunkt derzeit die Ortsdurchfahrt.

Als Anne Donk und ihr Mann Helmut Hildebrandt erfuhren, dass die Melsunger Ortsdurchfahrt saniert wird, sorgten sie direkt vor: Die Schlafräume verlagerten sie auf die andere Seite ihres Hauses. Denn das Paar wohnt direkt an der Kasseler Straße.

Das Ehepaar zog vor vier Jahren nach Melsungen. Vorher wohnten sie in Felsberg. „Ganz ruhig in Hanglage“, sagt Anne Donk. Das Haus an der Kasseler Straße in Melsungen vermieteten sie, entschieden sich aber, dort selbst einzuziehen. „Wir hatten immer gesagt, dass wir, wenn ich in Ruhestand gehe, zentraler wohnen wollen.“

Da habe sich das Haus in Melsungen angeboten. „Die Lage ist toll, alles ist fußläufig erreichbar und man ist ratzfatz auf dem Radweg.“ Dass nur wenige Meter entfernt vom Esstisch die stark befahrene Straße verläuft, habe sie anfangs gar nicht weiter gestört. „Wir haben uns an die Straße gewöhnt und wir haben ja auch sehr gut isolierte Fenster.“

Lärm in Melsungen: "Es ist wirklich ein Albtraum"

Doch seitdem die Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt laufen, ist nichts mehr wie vorher. „Es ist wirklich ein Albtraum“, erzählt Anne Donk.

Besonders ärgert sich das Paar über die vielen Lastwagen, die an der Ortsdurchfahrt unterwegs sind. „Ich verstehe nicht, warum es so viele sind. Es gibt doch ein Durchfahrtsverbot und eine Umleitung.“ Besonders schlimm sei die Situation, wenn die Autobahn  7 wegen eines Unfalls gesperrt sei. „Dann fahren einfach alle hier durch. Die Umleitungsschilder beachtet doch gar niemand.“Jeder Lastwagen, der am Haus vorbeifährt, ist im Wohnzimmer der Donks deutlich zu hören.

Eine Baustellenampel befindet sich nur wenige Meter vom Haus des Paares entfernt und verschlimmert die Situation. „Dieses dauernde Geräusch der Autos und Lastwagen, wenn sie an- und abfahren. Das geht wirklich auf die Nerven“, erzählt Donk. Hinzu kämen Autofahrer, die sich im Stau auch noch anschreien. „Es ist krass, was hier teilweise abgeht.“

Auch Abgase sind ein Problem

Doch nicht nur der Lärm sei ein Problem, sondern auch die vielen Abgase. „Wir kämen auch nie auf die Idee, uns vorne auf den Hof zu setzen.“

Seinen Freisitz hat das Paar auf der anderen Seite des Hauses – dort, wo sich nun auch das Schlafzimmer befindet. Doch den Baugeräuschen können die beiden auch dort nicht ganz entfliehen. Denn in unmittelbarer Nähe zu ihrem Haus befindet sich das Gelände, wo Baumaterialien aufgeladen werden.

„Das geht am frühen Morgen los und der Krach geht einem durch Mark und Bein“, erzählt die 65-Jährige, „selbst bei geschlossenem Fenster“. Das Paar freut sich darauf, wenn die Sanierung der Ortsdurchfahrt endlich abgeschlossen ist – dann haben nämlich wenigstens die lauten Baugeräusche ein Ende. „Aber ich bin gespannt, wie es dann mit dem Lastwagenverkehr weitergeht.“ Denn seitens der Stadt sei versprochen worden, dass der Schwerlastverkehr nicht mehr durch Melsungen fahren solle.

Ein böses Geschenk wird allerdings nach der Sanierung noch auf das Paar zukommen, weiß Anne Donk. Die anteiligen Straßenbeiträge für den neuen Bürgersteig.

Bald Tempo 30?

Die Stadt Melsungen habe bei der Straßenverkehrsbehörde des Schwalm-Eder-Kreises beantragt, zwischen der Sparkassenkreuzung und der Ortsausfahrt in Richtung Röhrenfurth Tempo 30 anzuordnen. Das teilt der Ordnungsamtsleiter der Stadt, Frank Werner, auf Anfrage mit. „Wir sind jedoch auch mit Hessen Mobil in Kontakt, um möglicherweise ein Durchfahrtsverbot für übergeordneten Lastwagen-Verkehr zu erreichen. Das wäre konsequent nach zweieinhalb Jahren Durchfahrtsverbot durch die Straßensanierung.“ 

Fragen und Antworten zur Ortsdurchfahrt. 

Wie viele Lastwagen dürfen derzeit die Ortsdurchfahrt passieren? 

Laut Kreis haben 99 Lkw eine Ausnahmegenehmigung, mit dem das Durchfahrtsverbot in verkehrsarmen Zeiten aufgehoben wird. Sie dürfen also zwischen 8.30 und 13.30 Uhr sowie zwischen 17 und 7 Uhr die Ortsdurchfahrt passieren. Mit zwei Firmen bestehe eine Vereinbarung, dass bei Bedarf projektbezogene Ausnahmegenehmigungen erteilt werden, die auch außerhalb der verkehrsarmen Zeiten gelten. Durch den Ausbau der Ortsdurchfahrt und den Neubau des Krankenhauses komme es aber auch außerhalb der verkehrsarmen Zeiten zu Lkw-Verkehr in Melsungen, heißt es vom Kreis. 

Was ist mit Anliegerverkehr? 

Anliegerverkehr darf laut Kreis ohnehin in Melsungen fahren. Lastwagen, die also ihr Ziel in der Melsunger Innenstadt haben, beispielsweise einen Supermarkt beliefern, dürfen auch die Ortsdurchfahrt passieren. Wird beispielsweise der Markt in Guxhagen beliefert, gilt der Lastwagen als Durchgangsverkehr, darf also nicht durch die Innenstadt fahren. 

Gibt es zurzeit Kontrollen an der Ortsdurchfahrt? 

Der Regionale Verkehrsdienst der Polizei Schwalm-Eder kontrolliert in unregelmäßigen Abständen, ob das Durchfahrtsverbot eingehalten wird. Die letzte Kontrolle war am 1. April. Zwei Lastwagenfahrer seien dort von Beamten der Polizei verwarnt worden. Nach einer Stunde sei die Kontrolle wegen eines anderweitige Einsatzes abgebrochen worden, heißt es vom Regionalen Verkehrsdienst des Kreises. Bei einer stationären Kontrolle mit einem Messgeräte wurden im Zeitraum von fünf Stunden insgesamt 27 Verwarnungen erteilt.

Quelle: HNA

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