Jetzt gibt es keine Bücher mehr:

Evangelische Gemeindebücherei schließt für immer

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Ausgelesen: Inge Schmoll (links) und Christa Dickel waren im Team der evangelischen Gemeindebücherei Melsungen. Die hat nun für immer geschlossen. 

Der Abschied ist ihnen schwergefallen, und doch war er unvermeidlich. Seit dieser Woche hat die evangelische Gemeindebücherei geschlossen, für immer.

Am Sonntag wird das Team um Inge Schmoll und Christa Dickel ein allerletztes Mal die Tür öffnen, für einen kleinen Empfang nach dem Gottesdienst.

„Wir haben viel probiert“, sagt Inge Schmoll, die seit 30 Jahren ehrenamtlich in der Gemeindebücherei arbeitet, „aber wir hatten einfach zu wenig Leser.“ Zuletzt waren es noch 50 Kinder und Erwachsene, die Bücher ausliehen. Dabei war die Gemeindebücherei, insbesondere im Bereich Kinder- und Jugendliteratur, aktuell und gut sortiert für Mädchen und Jungen.

Alles fing Ende der 1970er-Jahre an. Im Gemeindehaus an der Franz-Gleim-Straße eröffnete die Gemeindebücherei. Leiterin war Renate Linz. Das Ziel: Die Lesebegeisterung bei Kindern und Jugendlichen wecken. Damals gab es zwar schon die Stadtbücherei, aber an ihrem damaligen Standort im Keller der Stadthalle hatte sie nur wenige Kinder- und Jugendbücher, erinnert sich Inge Schmoll.

Standen in den 1980er-Jahren rund 400 Bücher in den Regalen der Gemeindebücherei, waren es bis vor Kurzem etwa 4000 Bücher und CDs. Einige wenige Kassetten sind noch Relikte aus den Achtzigern.

Damals kamen nachmittags immer die Mütter mit ihren Kindern zum Schmökern und Ausleihen, erinnert sich Inge Schmoll. „Mittlerweile arbeiten die meisten Mütter, und die Kinder sind in der Nachmittagsbetreuung“, sagt Kollegin Christa Dickel. Es gab auch Elternabende mit Leseempfehlungen, die immer gut besucht waren: „Es gab ja noch keine Internet.“

1990 zog die Gemeindebücherei in den ersten Stock der Pfarrscheune in die Altstadt um. Autorenlesungen kamen immer gut an, zum Beispiel von Klaus Kordon und Hermann Schulz.

Schulklassen und Kindergartengruppen kamen zu Besuch, viele neue Leser wurden gewonnen. „Mittlerweile haben aber die meisten Schulen und Kitas eigene Büchereien“, berichtet Christa Dickel. Sie und ihre Kolleginnen besuchten Fortbildungen, um die Bücherei inhaltlich auf dem neusten Stand zu halten. Das Bücherei-Team probierte neue Öffnungszeiten aus, zum Beispiel an Samstagvormittagen. Aber Christa Dickel sagt: „Nach einem Jahr mussten wir entscheiden, dass das nichts gebracht hat.“

Termin: Verabschiedung im Gottesdienst am Sonntag, 16. Februar, 10.10 Uhr, Stadtkirche Melsungen; anschließend Empfang in der Gemeindebücherei, Pfarrscheune, Vorderes Eisfeld

Quelle: HNA

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