Eltern erheben schwere Vorwürfe

Mit Schal gewürgt: Junge erlebt täglich Gewalt in Schule - schauen die Lehrer einfach weg?

Ein Schüler drückt auf dem Schulhof einen anderen Schüler zu Boden (Symbolbild)
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Ein Schüler drückt auf dem Schulhof einen anderen Schüler zu Boden (Symbolbild): An einer Schule im Kreisteil Melsungen soll es regelmäßig zu Schlägereien zwischen Schülern kommen. Eltern haben deshalb das Schulamt eingeschaltet.

Gewalt und Drohungen von Mitschülern soll ein Junge an einer Schule im Kreisteil Melsungen tagtäglich erleben. Die Lehrer schauten einfach weg, kritisieren Eltern.

  • Ein Junge soll an seiner Schule massiv gemobbt werden - ohne das jemand etwas unternimmt.
  • Die Mutter des Betroffenen hat die Verletzungen bereits von einem Arzt attestierren lassen.
  • Nun wurde von das Schulamt eingeschaltet.

Kreisteil Melsungen – Wenn Paul Wagner seinen Sohn Daniel* in die Schule schickt, hat er dabei mittlerweile kein gutes Gefühl mehr. Er hat Angst, dass der Viertklässler das nächste Mobbingopfer sein könnte. Der Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen eine Grundschule im Kreisteil Melsungen.

Laut seiner Aussage wird dort ein Schüler – wir nennen ihn Anton* – massiv von einem anderen Schüler gemobbt, ohne dass die Schule etwas dagegen unternimmt. Die Grundschule will auf HNA-Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

Kreisteil Melsungen: Eltern schalten Schulamt ein - „Da hat man mich ausgelacht“

„Die Lehrer schauen weg“, sagt Wagner. Er hat sich an die HNA gewandt, weil er nicht mehr wisse, was er tun könne. Ein Anruf beim Staatlichen Schulamt in Fritzlar habe keinen Erfolg gezeigt. „Da hat man mich ausgelacht.“ Jedoch habe man ihm zugesagt, sich mit der Schule in Verbindung zu setzen.

Ein Junge in einer vierten Klasse verprügele und bedrohe Anton immer wieder. „Er stachelt auch andere an, mitzumachen und lauert ihm auf dem Schulweg auf“, sagt Wagner. Antons Mutter ist verzweifelt. Auf HNA-Anfrage sagt sie, dass sie die Verletzungen ihres Sohnes bereits durch einen Arzt attestieren lässt, weil sie von der Schule keinen Rückhalt bekomme.

Die Schulleitung habe von Mobbing noch nichts mitbekommen, sagt die Mutter. Ihr sei angeraten worden, dass ihr Sohn die Schule besser verlässt. „Das ist zwar kein Schulverweis, aber grenzt schon an Nötigung“, sagt die Mutter. „Damit ist das Problem aber ja nicht gelöst“, sagt auch Wagner. Er macht sich insbesondere deshalb Gedanken, weil sein Sohn mit Anton gut befreundet ist. „Ich bin mir sicher, dass mein Sohn dann das nächste Opfer sein wird.“

Massives Mobbing an Schule im Kreisteil Melsungen? Gespräche mit Schulleitung laufen ins Leere

Gespräche mit der Schulleitung seien ins Leere gelaufen. „Es liege angeblich an dem Kind, das verprügelt wird.“ Die Lehrer reagierten nur, wenn sich das Opfer zur Wehr setze, sagt Wagner, „und bestrafen dann das Opfer. Auch, wenn der Junge vorher gewürgt wurde, es interessiert einfach niemanden.“ So sei es beispielsweise schon zu der Situation gekommen, dass der Lehrer den Klassenraum verlassen habe und Anton mit dem Kopf auf eine Bank geschlagen worden sein soll. Als der Lehrer zurück in den Klassenraum kam, habe Anton getobt und geweint. Als Strafe habe er anschließend vorm Sekretariat sitzen müssen.

Wegen der Mobbingattacken sei Anton einen Tag gar nicht mehr in die Schule gegangen. Sowohl das Schulamt als auch die Schule wüssten darüber Bescheid, sagt Wagner. Der Junge habe zitternd und weinend im Bett gelegen und habe die Mutter angefleht, dass es endlich aufhören solle.

Kreisteil Melsungen: Tägliche Prügeleien? - Schulamt äußert sich zu Vorwürfen

Ein anderes Kind, das die Schule besucht, bestätigt gegenüber der HNA, dass es auf dem Schulhof täglich zu Prügeleien zwischen den besagten Jungen käme. Die Pausenaufsicht würde das nicht mitbekommen. Anton sei häufig derjenige, der anfange, zu hauen. Daraufhin gingen regelmäßig drei Jungs mit enormer Brutalität auf ihn los. „Die drücken ihn auf den Boden, alle drei machen das zusammen.“ Sogar mit einem Schal hätten die Jungen ihn schon gewürgt.

Es könne nicht sein, dass eine Schulleitung einfach wegschaue, wenn sich eine solche Dynamik unter den Schülern entwickelt habe, sagt Antons Mutter. „Wenn man es als Schule nicht lösen kann, muss man sich eben Rat an anderer Stelle suchen.“

Das sagt das Schulamt:
Die Schule sei bereits aktiv geworden und kümmere sich, sagt Stephan Uhde vom Staatlichen Schulamt in Fritzlar. Er würde diesen Fall als „neutralen Konfliktfall“ bezeichnen. Es gebe durchaus unterschiedliche Perspektiven, die berücksichtigt werden müssten. „Aber ja, es gibt eine Problemlage an der Schule.“ *Alle Namen von der Redaktion geändert. (Carolin Hartung)

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