Stellvertretender Vorsitzender der Gemeinde entlassen

Melsunger Islamgemeinde DITIB mit judenfeindlicher Seite

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Nur noch ein Platzhalter: Die Seite der Ditib-Gemeinde in Melsungen ist seit Dienstag offline.

Melsungen. Auf der Internetseite der türkisch-islamischen Moscheegemeinde Melsungen (DITIB) stand eine Sammlung judenfeindlicher Zitate. Der Landesverband distanziert sich.

Unter der Überschrift Yahudiler (Juden) wurde dort ein Lehrtext für die Gemeindemitglieder in türkischer Sprache veröffentlicht, der klar antisemitischen Inhalt hatte.

Die Internetseite der türkischen DITIB-Gemeinde Melsungen wurde am Dienstag gegen 13.15 Uhr komplett offline genommen. Besagte Zitatesammlung war bereits seit Montagabend nicht mehr erreichbar.

„Das war die Tat eines Einzelnen“, sagt dazu der Theologe Selçuk Dogruer vom DITIB-Landesverband Hessen. „Wir distanzieren uns als DITIB Hessen von dieser irrigen Zitatensammlung.“ Die ganze Internetseite sei aus dem Ruder gelaufen und daher offline genommen worden, sagt Dogruer weiter.

Der verantwortliche Webmaster, der auch der stellvertretende Vorsitzende der Gemeinde Melsungen ist, musste umgehend seinen Rücktritt erklären. Die anderen Vorstandsmitglieder hätten von der Seite nichts gewusst.

„Der Mann hat unverantwortlich und eigenständig gehandelt. Für religiöse Inhalte ist ausschließlich der Imam zuständig“, sagt Dogruer. Angesichts der angespannten politischen Lage müsse besonders umsichtig kommuniziert werden.

„Wir wollen friedensstiftend agieren und den religiösen Austausch fördern. Wir haben intensiven Kontakt mit anderen Religionen.“ Erst jüngst habe es eine gemeinsame Mahnwache mit der jüdischen Gemeinde in Frankfurt gegeben, sagt der Theologe.

Der Internetauftritt der Melsunger Gemeinde sei leider an anderer Stelle von Netzaktivisten wieder aktiviert worden. DITIB sei aktuell wegen dieser Seite das Ziel verschiedener Scharfmacher aus dem Lager von Rechtspopulisten, sagt Dogruer. Das polarisiere weiter und sei dem friedlichen Dialog nicht zuträglich. „Wir müssen alle Diskussionen versachlichen.“ Der Vorfall sei für jede Annäherung kontraproduktiv.

Internet-Aktivist Ferdi Azadi ist auf die Textsammlung aufmerksam geworden und das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel hat sie öffentlich gemacht. Der Mainzer FDP-Politiker Tobias Huch kündigte außerdem auf seiner Facebook-Seite eine Anzeige gegen die Ditib-Gemeinde an. 

Jonas Dörge vom Bündnis sieht die Nähe der DITIB zum türkischen Staat und der Regierungspartei AKP kritisch. Die DITIB unterstehe dem Präsidium für religiöse Angelegenheiten des türkischen Staats. Das negative Verhältnis von Staatschef Recep Erdogan zu Israel sei hinlänglich bekannt, sagt Dörge.

Quelle: HNA

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