Maikundgebung stand unter dem Zeichen gerechter Löhne

Maikundgebung auf dem Marktplatz.

Melsungen. Gerechte Löhne, soziale Sicherheit und gute Arbeit für Europa waren das Motto der Maikundgebung auf dem Melsunger Marktplatz.

Dort hatten sich Arbeitnehmer, zumeist Braunianer, versammelt, um den Gewerkschaftern zuzuhören. Deren Forderungen unterstützten sie mit Gewerkschaftsfahnen und den zentralen Forderungen der Arbeitnehmervertretungen der chemischen Industrie.

Doris Pöllmann, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei B. Braun und Mitglied der Bundestarifkommission der chemischen Industrie, verwies auf die zentralen Forderungen der laufenden Tarifverhandlungen wie sechs Prozent mehr Lohn und die zeitliche Entlastung in bestimmten Lebensphasen, Waschtage genannt. Sie seien der Ausgleich für die 37,5- statt der 35-Stunden-Woche und damit schon vor Jahren erkauft worden. Nun wollten sich die Arbeitgeber daran nicht mehr erinnern.

„Wir haben diesen Schluck aus der Pulle verdient, sechs Prozent sind gerecht.“

Es sei ein Skandal, wenn die menschliche Arbeitskraft nichts mehr wert sei. Manche Jobs seien so schlecht bezahlt, dass sie durch die Steuerzahler aufgebessert werden müssen, sagte Peter Hohmann, Betriebsratsvorsitzender bei der B. Braun Melsungen AG. „Wir müssen uns für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit einsetzen, weil es sonst niemand für uns tut.“

Angesichts der guten Situation in der Chemie-Industrie machte der Hauptredner der Veranstaltung, Francesco Grioli, Vorstandssekretär bei der IGBCE im Bezirk Kassel, deutlich: „Wir haben diesen Schluck aus der Pulle verdient, sechs Prozent sind gerecht.“

Doch es ging ihm nicht nur um Lohnerhöhung, sondern auch um die Rente mit 67. „Wer meint, man könne bis 67 gesund arbeiten, kennt Betriebe nicht von innen.“ Da zwei von drei Neurentnern früher aufhören – wegen Arbeitslosigkeit oder aus gesundheitlichen Gründen – müsse sich über Altersarmut nicht wundern. „Deshalb brauchen wir einen flexiblen Übergang von der Arbeit in die Rente“, sagte Grioli.

Am Anfang ihres Arbeitslebens stehen die jungen Leute. Jedes zweite Arbeitsverhältnis sei befristet, erklärte der Vorstandssekretär. Wie sollten sie an Familienplanung denken können?

Zur Forderung „gute Arbeit für Europa“, sagte Grioli: „Wenn man den Aufschwung in Europa haben will, muss man investieren.“ Wenn Griechenland und Spanien untergingen, dann zögen sie Deutschland mit. Dass zu guter Arbeit auch die soziale Sicherheit gehöre, betonte Melsungens Bürgermeister Dieter Runzheimer. Er erinnerte daran, dass es seit 1890 den Tag der Arbeit am 1. Mai gebe. „Weltweit sind es die Arbeiter, die mit ihrer Arbeit und den Waren den Wohlstand sichern.“ (bmn)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare