Melsunger Alwin Wagner: „Robert Harting könnte meinen Weltrekord brechen“

Der Mann und der Ball: Alwin Wagner galt als Modellathlet und ist bis heute Rekordhalter. In der Disziplin Schleuderballwurf ist die MT weiterhin erfolgreich. Fotos: privat

Melsungen. „Robert Harting könnte meinen Rekord brechen.“ Da ist sich der 62-jährige Melsunger Alwin Wagner sicher. Doch weil Harting, der kürzlich olympisches Gold im Diskuswerfen holte, bisher offensichtlich wenig Interesse am Schleuderballwerfen zeigt, ist Wagner ungeschlagen.

Am heutigen Tag vor 30 Jahren stellte er für die MT Melsungen den Weltrekord auf: Er erreichte am 21. August 1982 bei einem Werfertag in Lohfelden 86,92 Meter im Schleuderballwurf. Dass ein Rekord 30 Jahre lang ungebrochen bleibt, ist im modernen Sport ein Wunder, bestätigt auch Wagner. Sein Geheimnis: „Ich habe damals beim Schleuderballwerfen als Einziger vier Drehungen gemacht“, sagt er. Diese Technik sei bis heute ungewöhnlich und schwierig, weil man mit jeder Drehung die Geschwindigkeit steigern müsse.

Die lange Wegstrecke des am 11. August 1950 in Melsungen geborenen Ausnahmewerfers, der auch mit dem Diskus große Erfolge feierte, hatte mit zwölf Jahren beim Schulsport begonnen.

Nach den Bundesjugendspielen wurde er von den damaligen Übungsleitern der MT Melsungen angesprochen. Schon bald fand man heraus, dass Alwin Wagner in den Wurfwettbewerben ein besonderes Talent besaß.

Er verbesserte beispielsweise den hessischen Jugendrekord im Diskuswerfen auf 48,03 Meter und kam zum ersten Mal mit dem Schleuderball in Berührung. Beim Deutschen Turnfest 1968 in Berlin überraschte der Jugendliche mit einer Leistung von etwas mehr als 63 Metern und belegte Platz drei.

Es folgten weitere gute Platzierungen. Der damalige Melsunger Oberturnwart Martin Zimmermann setzte sich für Wagner ein, so dass dieser auch bei den Einzelmeisterschaften im Schleuderballwerfen starten durfte. Als Dank dafür holte er sich den Turnfestsieg mit dem deutschen Rekord von 72,23 Metern. Es folgten deutsche Meisterschaften und Turnfestsiege. Wagner wurde durch seine Rekordverbesserungen mit dem 1,5 Kilo schweren Lederball zu einer prägenden Größe in dieser Sportart.

1994 hing Wagner dann den Schleuderball an den Nagel. „Es war ein Punkt gekommen, an dem es keine Rückkehr mehr gab“, sagt der 62-jährige Leichtathletik-Trainer der MT Melsungen. Er schaut auf eine erfolgreiche Karriere zurück, zu deren Höhepunkten die Olympischen Spiele in Los Angeles zählen. Dort errang er mit 64,78 Meter den 6. Platz im Diskuswerfen.

Und was ist, wenn Goldmedaillenträger Robert Harting doch einmal zum Schleuderball greift und besser ist als Alwin Wagner vor mittlerweile 30 Jahren? Der Melsunger gibt sich entspannt: „Jeder Rekord muss einmal gebrochen werden.“ (red/gör)

Quelle: HNA

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