Melsunger Augenärztin arbeitet ehrenamtlich in Kenia

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Viele Patienten mit Augenerkrankungen warten auf die Melsungen Ärztin: Dr. Jutta Leuser hilft seit 2007 zweimal im Jahr Menschen in Kenia. Fotos: privat

Melsungen. Seit Jahren fliegt die Melsunger Augenärztin Dr. Jutta Leuser nach Kenia, um ehrenamtlich in dem Entwicklungsland zu arbeiten und Menschen mit Augenerkrankungen zu helfen. Zuletzt war sie im März eine Woche in Nairobi, Im September steht der nächste Einsatz in Afrika an.

2007 las Jutta Leuser im Ärzteblatt von der der Organisation Cargo Human Care, die für humanitäre Einsätze Fachärzte sucht, erzählt Leuser. Daraufhin wandte sie sich an die Vereinigung, die auf eine Initiative eines Lufthansa Cargo-Piloten zurückgeht (siehe extra Artikel).

„Am Anfang war ich noch allein auf weiter Flur als Augenarzt“, erzählt die 54-Jährige, die etwas für die notleidende Bevölkerung tun wollte. In Sachen Augenheilkunde war sie eine Frau der ersten Stunde bei Cargo Human Care. Heute wechselt sich das ganze Jahr über eine Reihe von Fachärzten verschiedener Disziplinen mit Kurzzeiteinsätzen ab.

Warteraum wie Haltestelle 

Vor Ort wird auf einer Tafel bekannt gegeben, wann welcher Spezialist erwartet wird. Wenn Jutta Leuser in der medizinischen Station Sprechstunde hat, warten viele Menschen auf sie. „Unser Wartezimmer sieht aus wie eine Bushaltestelle“, erzählt sie. Der Hof sei voller Menschen. Sehr häufig diagnostiziert sie Infektionen. Viele Menschen leiden auch am Grauen Star oder durch Diabetes verursachte Erkrankungen.

Wartesaal unter freiem Himmel: Wenn die deutsche Ärztin in Nairobi Sprechstunde hat, das wird den Bewohnern vorab auf Tafeln mitgeteilt, warten viele Menschen auf sie.

Auch die Zusammenarbeit mit den gut ausgebildeten Krankenschwestern vor Ort habe sich eingespielt. „Wir werden immer routinierter“, erzählt sie. Die Schwestern helfen auch beim Übersetzen. Denn die meisten Patienten sprechen Swahili (Kisuaheli), die Schwestern übersetzen dann ins Englische. Wenn es notwendig ist, werden die Patienten für Operationen in die Kikuju-Klinik in Nairobi überwiesen. Mit der Klinik gebe es einen Vertrag für Katerakt-Operationen (Grauer Star). Wenn sich die Patienten die Operation nicht leisten könnten, übernehme die Hilfsorganisation die Kosten. Inzwischen gebe es einen festen Stab aus vier Augenärzten, die in der Medizinstation ehrenamtlich arbeiten. Die Ambulanz neben dem Kinderheim sei wochentags besetzt.

„Spannende Arbeit“ 

Wenn gerade kein Arzt vor Ort ist, leisten die Schwestern Dienst. Wichtig seien die Reihenuntersuchungen bei den Kindern, sagt sie. Schließlich sei das Sehen ein Stück Lebensqualität, sagt sie. Jutta Leuser bezeichnet ihre ehrenamtlichen Einsätze als „spannend“.

Man gibt etwas, aber man bekomme in ideeller Hinsicht viel zurück. Außerdem lerne man so viele unterschiedliche Menschen kennen.

Und: „Man kann etwas bewirken.“ Dank Spenden und der Unterstützung der Kröner-Stiftung (München) konnte die Ausstattung im Laufe der Jahre verbessert werden. Bei ihrem Einsatz im Frühjahr nahm sich die Augenärztin das erste Mal Zeit, sich gemeinsam mit ihrer vitalen 77-jährigen Mutter Renate Bänisch das Land genauer anzuschauen. (zal)

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Quelle: HNA

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