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Melsunger Unternehmer und Firma aus Wabern arbeiten für Energiewende zusammen

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Der Prototyp der Klein-Windkraftanlage im Maßstab eins zu zwei.
Der Prototyp der Klein-Windkraftanlage im Maßstab eins zu zwei. © Färber, Rolf

Der Wind ist nur schwach in Wabern am Nachmittag des Pressetermins – und doch setzt er etwas in Bewegung. Die Idee dafür kommt aus Melsungen.

Melsungen/Wabern – Auf einem Container im Hof der Edertal-Elektromotoren GmbH dreht sich der Prototyp eines Windgenerators.

Urlaubsidee

Der Melsunger Roland Wex steckt hinter den neuartigen Windgeneratoren. Er ist Unternehmer im Bereich der Medizintechnik, mittlerweile 80 Jahre alt und hat eine klare Vorstellung, wie er die Energiewende unterstützen will. Die Dachflächen von Industrie- und Gewerbehallen könnten mit kleinen Windkraftanlagen bestückt werden und so Strom direkt an der Verbrauchsstelle erzeugen. 2015, bei einem Urlaub auf Kreta, fielen ihm die zahlreichen kugelförmigen Dachlüfter ins Auge. Warum sollten die nicht auch Strom erzeugen, fragte er sich, und die Idee für den neuartigen Windgenerator war geboren.

Seit dem Urlaub hat er schon viel Zeit und Geld in die Weiterentwicklung seiner Idee investiert. Anfänglich negative Einschätzungen von Experten und mangelndes Interesse von Unternehmen an einer Zusammenarbeit schreckten ihn nicht ab. „Wir Älteren müssen für die Folgegenerationen eine vernünftige Welt hinterlassen“, sagte er sich und machte weiter. Vor gut drei Jahren fand er in Wabern ein Unternehmen, das seinen Ideen offen gegenüberstand.

Innovationspartner

Das Hauptprodukt der Edertal-Elektromotoren GmbH sind Fleischwölfe für Gastronomie und den Hausgebrauch. Dazu kommt die Reparatur und Überholung von Elektromotoren aller Art. Auch Lohnfertigungen im Bereich der Metallzerspanung und Blechfertigung kann das Unternehmen mit seinen rund 25 Mitarbeitern übernehmen. Sonderanfertigungen sind für die Firma nicht ungewöhnlich. Das war sicher ein Grund, sich die Ideen von Roland Wex genauer anzuhören.

Maschinenbautechniker Tobias Kleemann, einer der Geschäftsführer, war von Anfang an dabei. „Die ersten Prototypen zeigten ernüchternde Ergebnisse“, sagt er. Doch er war vom Konzept überzeugt und sein technischer Ehrgeiz wurde herausgefordert. So entwickelte sich aus dem anfangs kugelförmigen Rotor ein zylindrischer Läufer mit einem Leitkäfig. Dessen Schaufeln verbessern den Wirkdurchmesser des Generators. Der Winddruck wird so besser genutzt und Strömungsverluste werden reduziert.

Wollen die Energiewende unterstützen. von links Roland Wex und Tobias Kleemann.
Wollen die Energiewende unterstützen: von links Roland Wex und Tobias Kleemann. © Rolf Färber

Patentanmeldung

Weitere technische Kniffe waren erforderlich, um Geräuschemission und Laufruhe zu verbessern. Auch die Robustheit und Recyclingfähigkeit der Anlage spielten bei der Konstruktion eine Rolle. Sie ist komplett aus Metall gebaut.

„Das hat viel Hirnschmalz und literweise Kaffee gekostet“, sagt Konstrukteur Kleemann mit einem Schmunzeln. Immer wieder seien sie bei der Entwicklung mit Experten aus der Industrie und von Universitäten im Austausch gewesen. Mittlerweile ist die Konstruktion zum Patent angemeldet.

Die Serienausführung der Klein-Windkraftanlage, so die offizielle Bezeichnung, wird einen Durchmesser von drei Metern haben, zwei Meter hoch sein und 600 Kilogramm wiegen. Die elektrische Nennleistung des integrierten Generators liegt bei 3000 Watt, das soll bei durchschnittlichen Windverhältnissen für eine Stromausbeute von 6000 bis 8000 Kilowattstunden pro Jahr reichen.

Im Vergleich dazu: Der mittlere Stromverbrauch eines Zwei-Personen-Haushalts in Deutschland liegt laut Statistischem Bundesamt bei etwa 3200 Kilowattstunden pro Jahr (Stand: 2019).

Planungen

Der nächste Schritt ist der Aufbau der ersten Anlage in Originalgröße. Sie wird gerade endmontiert und soll ab Anfang nächsten Jahres auf dem Gelände der Kläranlage in Wabern in Betrieb genommen werden. Danach soll eine Kleinserie von zehn Anlagen folgen. Anfragen lägen bereits vor. Wenn alles gut läuft, könnte eine Serienproduktion folgen. „Wir wollen die Energiewende befördern und wir wollen am Standort wachsen und Arbeitsplätze schaffen“, sagt Jan Thiel Scheuer, Juniorchef der Firma. Geplant ist eine Kooperation mit der Wex-Tec GmbH, die Roland Wex zur Realisierung seiner Ideen als Einmann-Unternehmen gegründet hat.

Zukunftsforum

Nun wollen die nordhessischen Innovatoren ihren Windgenerator in Fachkreisen weiter bekannt machen. Das Zukunftsforum Energie & Klima bietet dafür eine Gelegenheit. Es wird am Donnerstag und Freitag unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen in der Kasseler Documenta-Halle stattfinden. (Rolf Färber)

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