Lebensbedrohliche Einklemmung droht

Melsunger Experte rät: Leistenbruch sollte man immer operieren

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Operation eines Leistenbruchs: Ein Kunststoffnetz stabilisiert das menschliche Gewebe. Der Eingriff kann auch nach der Schlüsselloch-Methode durchgeführt werden.

Schwalm-Eder. Etwa 200 000 Menschen werden in Deutschland jedes Jahr wegen eines Leistenbruchs operiert. Damit gehört der Eingriff zu den häufigsten Operationen.

Wie eine Leistenhernie, so der medizinische Fachbegriff, entsteht und warum sie operiert werden sollte, erklärt Eberhard Gliesing, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie Klinikum Melsungen.

Herr Gliesing, wie entsteht ein Leistenbruch?

Eberhard Gliesing: Der Begriff „Leistenbruch“ ist eigentlich irreführend, denn im Fall einer Hernie bricht und reißt nichts. Vielmehr gibt das Gewebe im Bereich der Leiste nach. Eine natürliche Schwachstelle stellt der Leistenkanal dar. Entweder dehnt sich der Leistenkanal auf oder es entsteht eine Öffnung neben dem Leistenkanal, durch die das Bauchfell nach außen drückt. In den dadurch entstandenen sogenannten Bruchsack können sich dann Darmfett oder auch Teile des Darms vorschieben.

Gibt es Risikofaktoren, die die Entstehung einer Hernie im Leistenbereich begünstigen?

Gliesing: Im Alter lässt die Festigkeit des Gewebes nach, weshalb Hernien bei Senioren häufiger auftreten. Auch eine angeborene Bindegewebsschwäche begünstigt die Entstehung von Brüchen, ebenso wie ausgiebiges Krafttraining oder schwere körperliche Arbeit über einen längeren Zeitraum.

Welche Beschwerden verursacht ein Leistenbruch?

Gliesing: Tritt ein Bruch auf, bemerken die Betroffenen eine Ausbeulung in der Leistengegend im Stehen. Diese kann ganz plötzlich entstehen, zum Beispiel nach Husten, Niesen oder schwerer körperlicher Arbeit oder sich auch langsam entwickeln. Auch ein schmerzhaftes Ziehen oder Brennen gehört zu den häufig geschilderten Beschwerden.

Ärzte raten bei einer Leistenhernie unbedingt zur Operation. Warum?

Gliesing: Ein Leistenbruch geht nicht wieder von alleine weg, wird aber größer werden und dann zunehmend Beschwerden verursachen. Deshalb sollte die Hernie durch eine Operation beseitigt werden. Gefährlich ist eine Brucheinklemmung, die aber zum Glück eher selten ist. Dabei klemmen sich Baucheingeweide ein und es kann zum Absterben eingeklemmter Darmanteile kommen, was lebensgefährlich ist. Deshalb ist die Brucheinklemmung ein Notfall und muss sofort operiert werden. Alarmsignale sind starke Schmerzen und ein Anschwellen der Bruchstelle. Ein geplanter Eingriff, wenn der Bruch noch nicht sehr ausgeprägt ist, ist deshalb der bessere Weg.

Wie wird ein Leistenbruch behandelt?

Gliesing: Bei einer Leistenbruch-Operation wird der Bruchsack in den Bauchraum zurückgeschoben und das Gewebe mit einem Kunststoffnetz stabilisiert. Das kann im Rahmen einer offenen Operation geschehen oder minimalinvasiv. Bei der „Schlüsselloch“-Methode, die bei jungen Patienten in der Regel ambulant durchgeführt wird, treten erfahrungsgemäß weniger postoperative Schmerzen auf. Nach ein bis zwei Wochen ist der Patient wieder belastungsstabil. Welches Operationsverfahren zum Einsatz kommt, hängt aber unter anderem von der Größe des Bruchs, vom Alter des Patienten und möglichen Vorerkrankungen ab.

Quelle: HNA

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