Treue zur deutschen Elf

Melsunger drückt in Südkorea deutscher Mannschaft die Daumen

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Das Bayern-Trikot hat er mitgenommen: Michael Neudecker (Mitte) aus Melsungen wohnt mit seiner Frau und seinen Kindern, Hannah (links) und Noah (rechts) in Seoul. 

Melsungen/Seoul. Wenn heute Nachmittag um 16 Uhr das WM-Spiel Deutschland gegen Südkorea angepfiffen wird, ist es bei Michael Neudecker 23 Uhr. Der gebürtige Melsunger wohnt in Südkoreas Hauptstadt Seoul.

Vor über zehn Jahren führte ihn eine Geschäftsreise im Auftrag seines Arbeitgebers Siemens zum ersten Mal nach Südkorea. Der Liebe wegen kehrte er später dorthin zurück und blieb. Heute ist er verheiratet und bei Siemens in Seoul angestellt. Beim Spiel Deutschland gegen Südkorea drückt er aber seinem Heimatland die Daumen.

„In Südkorea erwartet niemand mehr, dass die Mannschaft gegen Deutschland gewinnen kann“, sagt Neudecker. Südkorea habe eine junge Mannschaft, die stolz sei, überhaupt an der WM teilzunehmen. Auch wenn Südkorea seit Jahren fester Bestandteil des Turniers sei, schlügen sie sich in diesem Jahr nicht so gut. „Fußball ist in Südkorea ein beliebter Sport. Der bekannteste Spieler war wohl Ji-Sung Park, der für Manchester United gespielt hat. Aber Baseball ist definitiv der Lieblingssport der Koreaner“, sagt der Bayern-Fan.

Public Viewing gibt es auch im 8400 Kilometer entfernten Südkorea. Im Jahr 2010 hat Neudecker mit 10 000 Menschen am Rathaus der Hauptstadt die WM verfolgt. „Man bezahlt hier keinen Eintritt und Buden gibt es auch nicht. Jeder bringt sein Essen mit und räumt nachher auf“, sagt Neudecker. An der Sauberkeit könnten sich deutsche Fans ein Beispiel nehmen. Auch mit der Familie könne man unbesorgt ins Stadion gehen: „Mir ist nicht bekannt, dass es in Südkorea Hooligans gibt.“

Aber auch die Koreaner könnten etwas von den Deutschen lernen. Fußballspiele seien oft nicht gut besucht. „Wie man ein Stadion füllt, müssen sie noch lernen.“

In der Zehn-Millionen-Einwohner-Stadt Seoul fühlt sich Neudecker wohl: „Ich wäre nicht so lange hier geblieben, wäre ich nicht mit offenen Armen empfangen worden.“ Korea wäre oft im Blickfeld der Medien, wenn es um den Konflikt zwischen Nord und Süd geht, doch der gebürtige Melsunger weiß viel Positives zu berichten. „Südkorea ist ein hoch technisiertes Land. 1953 war es das drittärmste Land der Welt, heute gehört es zu den Top 13 der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Das ist ein unglaublicher Aufschwung.“ 

Kürzlich seien die maximalen Arbeitswochenstunden von 68 auf 52 verringert worden. „Dadurch wird hoffentlich das Familienleben gefördert.“ Er schöpft Hoffnung aus der gegenwärtigen Deeskalation des Korea-Konflikts: „Die Bilder von den Treffen beider Präsidenten lassen hoffen, dass die am schärfsten bewachte Grenze der Welt irgendwann verschwindet. Dass im Norden nicht mehr Menschen unnötig verhungern müssen.“

Obwohl Michael Neudecker im Land des deutschen Gegners wohnt, schlägt sein Herz fürs Heimatland. Sein Tipp für das Spiel: „3:0 für Deutschland.“ Er schaut das Spiel mit seiner Frau gemütlich zu Hause.

Quelle: HNA

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