Gegen Leere im Herzen

Melsunger Künstler und eine Einzelhändlerin machen auf den Leerstand aufmerksam

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Mit Herzen aus Stoff Menschen erreichen: Einzelhändlerin Helga Fischer-Lang und Künstler Edwin Moes wollen auf den Leerstand in Melsungen aufmerksam machen.

Melsungen. Edwin Moes hat Liebeskummer. Nicht der Frauen wegen. Melsungen, die geliebte Wahlheimat, wird ihm fremd. Geschäfte schließen für immer, Schaufenster stehen leer. Mit einer Aktionsreihe will der Künstler auf das Sterben des Einzelhandels aufmerksam machen.

Jenen, die seinen Kummer teilen, verkauft der Niederländer Moes seit vergangener Woche gebrochene Herzen aus Stoff. Er hat sie selbst genäht, ausgestopft und dann, mit schwarzem Filzstift, eine Zickzack-Linie mittendurch gezeichnet. „Solch ein Riss“, sagt Einzelhändlerin Helga Fischer-Lang, „verläuft auch mitten durch das Herz unserer Stadt.“

Sie und eine Hand voll anderer Einzelhändler stehen hinter dem Künstler, der mit Symbolen zum Reden und Handeln anregen will. „Wir wollen ein Forum aufbauen und Ideen gegen den Leerstand austauschen“, sagt die Inhaberin der Buchhandlung Bernecker. Helga Fischer-Lang Fischer-Lang will nicht über ausgestorbene Geschäfte hinwegsehen, und selbst wenn sie wollte, sie könnte nicht. Wenn Fischer vor die Tür ihrer Buchhandlung in der Kasseler Straße tritt, fällt ihr Blick auf die zwei leeren Schaufenster gegenüber.

Als die Österreicherin nach Melsungen zog, sagt sie, „war die Stadt viel lebendiger“. Heute, 15 Jahre später, zählt sie zehn leerstehende Geschäfte, wenn sie durch die Kasseler Straße bis zur Bartenwetzerbrücke läuft. Die Geschäftsfrau fühlt sich dann hilflos und „von der Politik im Stich gelassen“. Als Einzelne, klagt sie, kann sie nichts gegen den Leerstand unternehmen. „Die Idee einer Kunstaktion ist aus purer Angst entstanden“, sagt Helga Fischer-Lang, und Edwin Moes nickt. Angst vor dem demografischen Wandel. Angst vor dem Konkurrenten Internet. Und Angst vor großen Filialisten, die sich bei einer möglichen Erweiterung des Sand-Centers in Melsungen niederlassen könnten.

„Ich fühle mich davon bedroht“, sagt Fischer-Lang über das Einkaufszentrum, „Was, wenn im neuen Teil des Zentrums eine Buchhandlung eröffnet?“ Ihr gehe es um die Zukunft ihres Geschäfts, aber auch um die Zukunft ihrer Stadt. Das Herz von Melsungen dürfe nicht ausbluten, wenn sich das Stadtzentrum Richtung Fulda verlagere. „Ich stehe für alle“, sagt Künstler Edwin Moes. In den vergangenen Tagen und Wochen hat er mit den Menschen diskutiert, die an den leeren Geschäften vorbeigeschlendert sind. „Keiner hat gesagt: Das ist mir egal.“ Alle, ob Einwohner oder Besucher, ob alt oder jung, hätten ein Herz für die Stadt. Edwin Moes will weitermachen. Er will weiter Kunst gegen den Leerstand machen. In seinem Koffer trägt er hunderte gebrochene Herzen durch die Stadt. „Es ist ein Symbol, das die Leute verstehen.“

Kontakt: Helga Fischer-Lang, Telefon 05661/6886.

Quelle: HNA

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