Partnerschaft ist nicht eingeschlafen

Melsunger pflanzen Linde in der Partnerstadt Bad Liebenstein

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Freundschaft braucht Wurzeln: Im Bad Liebensteiner Stadtpark pflanzten die Melsunger eine Winterlinde. Von links Martin Gille und Reinhild Vogt vom Städtepartnerschaftsverein, die Bürgermeister Markus Boucsein und Dr. Michael Brodführer sowie Ehrenbürgermeister Dr. Ehrhart Appell, Initiator der Partnerschaft. 

Melsungen/Bad Liebenstein. Die Partnerschaft zwischen Melsungen und Bad Liebenstein soll fortgeführt werden. So steht es in einer Urkunde, die während eines Festakts unterzeichnet wurde.

Freundschaft braucht Wurzeln - das wird auf einem Schild neben einer Winterlinde stehen, die die Melsunger für den Stadtpark gespendet haben. Der Baum, sagte Liebensteins Bürgermeister Dr. Michael Brodführer, habe den schönsten Blick auf die Liebensteiner Burgruine. Die Wurzeln seien schon vor 25 Jahren angegangen, betonte sein Amtskollege Markus Boucsein.

„Es ist sehr gut, dass diese Partnerschaft nicht eingeschlafen ist wie viele andere”, sagte Fritz-Eberhard Reich (71), der erste frei gewählte Bürgermeister Bad Liebensteins. Er und andere Redner würdigten Dr. Ehrhart Appell als Initiator der Partnerschaft. Dieser war von 1969 bis 1993 Melsunger Bürgermeister.

Eine Trabi-Füllung reichte

Appell erinnerte in seinem Festvortrag daran, dass er bereits in den 1980er-Jahren mehrmals Schmalkalden angeschrieben hatte. Er bekam nie eine Antwort, weil die Ost-Gemeinden Briefe aus dem Westen ungeöffnet an die DDR-Regierung schicken mussten. Dann erfuhr er von seiner damaligen Amtskollegin Gisela Schneider am Telefon, dass Bad Liebenstein Interesse an einer Verbindung mit Melsungen hatte. Zehn westdeutsche Städte wollten Partner Liebensteins werden. Aber Schneider sagte: „Nach Melsungen können wir mit einer Trabi-Füllung hin und zurück fahren.”

Im Liebensteiner Kurtheater schilderte Ex-Bürgermeister Appell den 9. November 1989 so: „Ein ungewohnter süßlicher Duft lag über Melsungen, der von vielen knatternden Trabis stammte. Und der thüringische Tonfall war nicht zu überhören. Die Besucher wurden mit offenen Armen empfangen und eingeladen.”

Gruppenbild in der Abendsonne: Ein Teil der Gäste aus Melsungen vor dem Hotel Kaiserhof, dem früheren Kurhaus des Heilbades Liebenstein.

Für Besucher aus dem Osten gab es im Westen Begrüßungsgeld. Die Stadtverwaltung Melsungen meinte 1989 nach der Grenzöffnung, sich mit ausreichend Bargeld eingedeckt zu haben. Weit gefehlt, berichtete nun Ehrenbürgermeister Appell: „Wir brauchten Nachschub - aber woher? Am Wochenende waren die Banken geschlossen. Und so bettelte ich meinen Freund Karl Reinbold an, der seinen Edeka-Supermarkt geöffnet, bereits Unmengen der in der DDR so heiß begehrten Südfrüchte und Kaffee verkauft hatte und der Stadt größere Summen zur Verfügung stellen konnte. Das Begrüßungsgeld wurde also richtig recycelt.” Melsungen habe nach der Wende 120 D-Mark an 6000 Besucher ausgegeben.

Eine Linde für die Städtepartnerschaft

In die Partnerschaft zwischen Melsungen und Bad Liebenstein sollten künftig jüngere Einwohner beider Städte einbezogen werden. Das regte Reinhild Vogt, im Melsunger Städtepartnerschaftsverein Beauftragte für Bad Liebenstein, im HNA-Gespräch an. „Im Moment laufen die Begegnungen ja überwiegend auf der Schiene 60 Plus - also der Generation, die keinen gemeinsamen deutschen Staat in ihrer Jugend erlebt hat.“ Wünschenswert seien Jugendcamps im Sport und ein kultureller Vereinsaustausch.

Wird es diese Städtepartnerschaft auch in 25 Jahren noch geben? Reinhild Vogt: „Sicher nicht in der jetzigen Form. Ausschlaggebend wird sein, wie es gelingt, das Interesse an der Freundschaft zeitgemäß umzusetzen.”

Quelle: HNA

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