Es fehlt am respektvollen Umgang

Melsunger Polizeichef: Umgangston ist rauer geworden 

Melsungen. Die Dienstaufsichtbeschwerden in der Melsunger Polizeistation füllen mehrere Ordner. Für die Dankesschreiben lohnt kein eigener Ordner.

Die beiden Seiten hat Stationschef Gerd Kümmel oben auf geheftet. Das Verhältnis spiegele sich auch bei den Einsätzen der Kollegen wider, sagt Kümmel.

Immer häufiger träfen die Kollegen auf Menschen, die bereits verärgert seien. Wenn nur zwei Streifenwagen im Kreisteil Melsungen im Einsatz seien, komme es vor, dass Einwohner mit einem Anliegen auf die Polizisten warten müssten, sagt er. Die Erwartungshaltung der Menschen sei diesbezüglich hoch – die Wege seien in einem Flächenkreis wie dem Schwalm-Eder-Kreis zudem lang.

Die Kollegen müssen abwägen, welche Einsätze Vorrang haben: Ein Fall von häuslicher Gewalt werde anders bewertet als ein Auffahrunfall. „Wenn wir vor Ort auch noch darauf hinweisen würden, dass wir originär nicht zuständig sind, sondern beispielsweise das Ordnungsamt oder das Gesundheitsamt, wäre der Ärger programmiert“, sagt Kümmel.

Rohheit hat zugenommen

Die Kollegen würden daher regelmäßig Fälle aufnehmen, um sie dann später an die zuständigen Behörden weiterzuleiten. Das binde natürlich zusätzlich Arbeitszeit. Die Rohheit im Umgang habe aber grundsätzlich zugenommen, schildern Beamte der Polizeistation ihre subjektiven Erfahrungen. Dies treffe auf andere Berufsgruppen noch stärker zu als auf Polizisten. Diese seien im Umgang mit renitenten Menschen geschult. Aber Anfeindungen und zum Teil auch körperliche Gewalt bekämen vermehrt eben auch Lehrer, Rettungskräfte, Zugbegleiter und andere Gruppen zu spüren.

Das Auftreten gerade jüngerer Menschen sei gegenüber den Polizeibeamten deutlich selbstbewusster geworden: „Du hast mir gar nichts zu sagen“, hörten die Beamten im Dienst heute wesentlich häufiger als früher.

Ein Klassiker sind die vielen Grillfeste im Sommer: Wenn jeden Abend bis zu 20 Anrufe wegen Ruhestörung und Grillgeruch eingingen, könnten die Beamten nicht alle zufriedenstellen, gibt Kümmel zu bedenken. Auf der einen Seite gebe es uneinsichtige Feiernde und auf der anderen Seite Beschwerdeführer, in deren Augen die Polizei zu wenig unternehme.

Respektvoller Umgang

Das Zusammenleben wäre einfacher, wenn alle Beteiligten einen respektvolleren Umgang pflegten, sagt Kümmel. Er habe aber den Eindruck, dass das Wort Respekt deutlich negativer besetzt sei als noch vor Jahren. Hilfreich wäre es, wenn die Polizei schneller oder überhaupt sanktionieren könnte. „Wir wissen genau, wo unsere Pappenheimer sitzen, aber den Kollegen fehlt die Zeit, in diesen Kreisen regelmäßig deutliche Ansagen zu machen.“

Dank ist eine Ausnahme

Die beiden Dankesschreiben im Ordner der Polizei Melsungen sind also ganz klar die Ausnahme und nicht die Regel. Eines stammt von einer Frau, die die Polizei von einem Suizidversuch abgehalten hat. In dem anderen Fall ist es den Polizisten gelungen, einen schwerstkranken Mann ausfindig zu machen, dessen Hausnotruf versagte. Sie retteten ihm wohl das Leben.

Die Aktion "Danke, Polizei"

Polizisten sehen sich Beschimpfungen und Gewalt ausgesetzt - und erhalten selten ein Danke dafür. Wir wollen das ändern. Am Freitag, 21. April, rufen wir den Dankeschön-Tag für Polizisten aus. Schicken Sie uns ihre Danksagung an online@hna.de. Die gesammelten Einsendungen übergeben wir am Freitag der Polizei. 

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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