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Melsunger Scharfe Barte: Furioser Auftakt zum Wettbewerb

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Gut aufgelegt: Paul Weigl kündigte ein lautes Programm an. Er hielt sein Versprechen und wusste zu gefallen. 

Melsungen. „Lachen ist die wichtigste Strategie, um den Wahnsinn in der Welt zu ertragen“, sagte Adrian Engels, Teil des Kabarett-Duos Onkel Fisch.

 Trump, Erdogan, Fipronil, die vergangenen Monate haben den Tisch für die Kabarettisten reichlich gedeckt.

Paul Weigl und das Duo Onkel Fisch eröffneten den drei Abende umfassenden Wettbewerb. Etwa 300 Besucher waren in der Melsunger Kulturfabrik zu Gast. Die Künstler versuchen mit einem einstündigen Programm das Publikum und die Jury von sich zu überzeugen.

Paul Weigl

Von 0 auf 180 in fünf Sekunden beschreibt den Wahlberliner und sein Programm „DeGenerationskonflikt“ wohl am besten. Alltägliche Situationen wie Straßenbahnfahren, Anträge stellen, um Elterngeld zu beziehen, oder gar ein Menü bei McDonald’s zu bestellen werden bei ihm zum Kampf um die Selbstbeherrschung. Diesen Kampf verliert er im Laufe des Abends jedoch häufiger. Und so schreit er allen Hass und die angestaute Wut über die Dummheit der Menschen, weltverbessernde Gemüsemassenmörder, auch Veganer genannt, und „Öko-Überfamilien“, die ihre Kinder zwar in einen Ganzkörperfilzanzug kleiden, sie aber mit schlauen Sprüchen ohne Erziehungsanspruch abtun, heraus. Dabei driftet der gebürtige Bayer jedoch nicht ins Negative, sondern gewinnt das Publikum mit Gesichtsentgleisungen und Stimmenakrobatik. Kritik gab es an den austauschbaren Modewellen in den sozialen Netzwerken: heute „Charlie“ morgen „Katzenbaby“. Damit traf er häufig den Nerv der jüngeren Gäste, die sicher seine eigentliche Zielgruppe sind. Er schaffte es aber dennoch, für jede Menge Lacher zu sorgen.

Gelungener Auftakt: 3 von 5 Sternen in der persönlichen Bewertung.

Onkel Fisch

Gutes politisches Kabarett ist in den vergangenen Jahren seltener geworden: Doch das Duo Onkel Fisch hat diesem beim Kabarettwettbewerb alle Ehre erwiesen. Infotainment wollten die beiden bieten und so präsentierten sie beispielsweise szenisch und eindrucksvoll einen Einblick in das Paarungsverhalten von Lobbyisten und brachten mit musikalischen Einlagen über die großen Politiker der Welt den „politischen Hardrock zum Kopfschütteln“, wie Riedinger sagte. Während die Briten auf „We’ll better walk alone“ stünden, verbanden sie Trump mit „Maschendrahtzaun“. Dabei trugen beide Anzüge von Donald Trump – nicht ganz sauber und alles perlt ab.

Doch auch die Missstände in Deutschland ließen sie bei ihrem Programm „Neues aus der Lobbythek“ nicht aus. So prangerten sie an, dass Deutschland passiv durch Waffenexport an den Meistbietenden Frieden schaffen und die Gesellschaft sowieso nicht in der Lage wäre, sich im Krieg zu behaupten, da wir Weltmeister des Bluthochdrucks und der Hypochondrie seien. Mit einem kritischen, manchmal sehr bösen Humor sorgten die beiden für Lachanfälle. Nicht alles kam beim Publikum an, dennoch begeisterten sie durch ihre Vielseitigkeit.

4 von 5 Sterne in der persönlichen Bewertung – bei zwei noch ausstehenden Terminen muss es noch Luft nach oben geben.

Mittwoch, 8. November:Auf dem Programm stehen ab 19.30 Uhr die Künstler Matthias Engling und Johannes Flöck. Für die Bewirtung sorgt das Team des Fördervereins für ein zukunftsfähiges Melsungen

Quelle: HNA

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