Melsunger SPD: Fracking ist noch nicht vom Tisch

Umstrittene Methode: Ein Bohrmeister führt im norddeutschen Lünne ein Bohrgestänge vor. Die Energiekonzerne wollen trotz Kritik die Erdgassuche vorantreiben. Foto: dpa

Melsungen. Die Erdgassuche mit der umstrittenen Fracking-Methode ist in Nordhessen bisher auf große Ablehnung gestoßen, Probebohrungen liegen in weiter Ferne. Ist es da notwendig, dass sich auch Melsungen dazu äußert? „Ja“, sagt eine Mehrheit des Melsunger Stadtparlaments.

Das Thema sei „hochaktuell“ und noch nicht vom Tisch. Die CDU spricht dagegen von „reinem Populismus“.

Ausgangspunkt war zwei Anträge der SPD und der Grünen: Die Sozialdemokraten forderten eine Resolution gegen Fracking-Versuche, die Landesregierung solle entsprechende Beschlüsse fassen. Die Grünen wollten ein Moratorium – also einen Aufschub – der Landesregierung, bis das Bundesberggesetz geändert ist.

Ob die Landesregierung diese Aufforderungen aus der Bartenwetzerstadt wirklich braucht, ist zumindest fraglich. So loben selbst die Landesverbände von Grünen und SPD das Verhalten der Umweltministerin. Und auch der Schwalm-Eder-Kreis hatte sich gegen die Fracking-Pläne ausgesprochen.

Darauf verwies auch die Melsunger CDU: „Die SPD ist entweder schlecht informiert oder ruft aus Populismus Themen auf, die sich längst erledigt haben“, sagte Bernhard Lanzenberger (CDU). Die Sozialdemokraten widersprachen energisch: Ohne ein neues Berggesetz lägen sämtliche Entscheidung zum Thema Fracking in fremden Händen, sagte Renate Mahler-Heckmann (SPD). Volker Wagner (SPD) bezweifelte, dass dem Kreistag die Wichtigkeit des Themas überhaupt bewusst sei.

Bürgermeister Dieter Runzheimer (SPD) erklärte, dass man Fracking im Melsunger Parlament bespreche, weil eine deutliche Ablehnung wichtig sei. „Doch warum ist es dann die SPD, die den Antrag stellt, und nicht der Magistrat?“, kritisierte Lanzenberger. Die CDU enthielt sich bei der Abstimmung, obwohl sie Fracking auch ablehne.

Chemie in Boden

Beim Fracking wird Erdgas gelöst, das sich im Schiefergestein befindet. Dazu wird das Gestein mit Wasser, Sand und Chemie aufgesprengt. Kritiker befürchten, dass dabei Chemie ins Grundwasser gelangt. In der Region verläuft vom Solling im Norden bis Schlüchtern im Süden eine Mineralwassersole. Der kanadische Konzern BNK plant die Erdgassuche im Gebiet Adler-South, das die Landkreise Schwalm-Eder, Kassel und Waldeck-Frankenberg umfasst.

Von Göran Gehlen

Quelle: HNA

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