Melsunger Turngemeinde nimmt regelmäßig das Deutsche Sportabzeichen ab

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Konzentriert: Constanze Wüstefeld beim Weitsprung. Ihr Ziel ist das Sportabzeichen.

Melsungen. Ich laufe so schnell, wie ich kann. Und trotzdem sehe ich nur den Rücken meines Laufpartners Rafael Steinhof.

Obwohl er mir noch vor dem Start des 100-Meter-Laufs im Melsunger Waldstadion gesagt hat, ich solle ihm nicht weglaufen. Und jetzt das. Dabei bin ich nach seiner Bitte noch optimistisch in dieses Rennen gestartet.

Die 100 Meter laufe ich für mein erstes Sportabzeichen. Noch nie habe ich darüber nachgedacht, mich in fünf Disziplinen testen zu lassen, um eine Urkunde und eine Anstecknadel des Deutschen Olympischen Sportbundes zu bekommen. Das Sportabzeichen machen in meinen Augen nur Schüler oder Menschen, die viel Zeit haben. Auf mich trifft weder das eine noch das andere zu. Aus einer Laune heraus ist trotzdem die Idee entstanden, dass ich es mal versuche. Kann ja nicht so schwer sein. Dachte ich.

Ein Schritt vor den anderen: 2000 Meter müssen gelaufen werden. Jürgen Dietzel schreibt für jede Runde die Zeit auf.

Gut gelaunt, aber auch ein bisschen nervös, mache ich mich also auf zum Waldstadion. Dort möchte ich einen Teil der Bedingungen erfüllen, die ich für mein erstes Sportabzeichen brauche. Schwimmen werde ich ein anderes Mal.

Begrüßt werde ich von ein paar älteren Herrschaften. „Seit 37 Jahren mache ich jedes Jahr im Sommer zusammen mit meinem Mann das Sportabzeichen“, erzählt mir die 73-jährige Rosa Weinreich. Standweitsprung und Schleuderball stehen noch auf dem Programm, das Radfahren habe sie schon hinter sich. Und das lässt mir gleich schon mal das Herz in die Hose rutschen: In 50 Minuten sei sie 20 Kilometer gefahren. Den Weg würde ich wahrscheinlich nicht in 60 Minuten schaffen. In der Zeit müsste ich die Strecke zurücklegen, sollte ich mich fürs Fahrradfahren entscheiden. Das habe ich auf keinen Fall vor.

Sand in den Schuhen

Mein Sportabzeichen muss ich mit anderen Disziplinen erreichen. Nach dem Aufwärmen probiere ich es mit dem Weitsprung. Ich starte zum Sprint, laufe auf die Sandgrube zu – übergetreten. Wie auch bei den nächsten zwei Versuchen. Erst beim vierten Anlauf klappt´s – gleich so gut, dass ich die gesetzte Marke von 3,50 Meter locker hinter mir lasse. Sehr schön. Da stört mich auch der Sand in den Schuhen nicht. Auch den 2000-Meter-Lauf packe ich, unter der Zeit von zwölf Minuten laufe ich über die Ziellinie. Allerdings auch völlig erschöpft, die Beinmuskeln machen sich schon bemerkbar. Der Muskelkater wird kein Zuckerschlecken.

Knapp verfehlt

Ein Zuckerschlecken war auch der 100-Meter-Lauf nicht. In 16 Sekunden hätte ich die Strecke zurücklegen müssen, 16,3 Sekunden habe ich gebraucht. Das ärgert mich. Der einzige Wermutstropfen: Auch der 35-jährige Rafael Steinhof ist nicht unter seinen vorgegebenen 14 Sekunden geblieben. Das wird ihn zwar nicht freuen, aber mich. Schließlich ist er mir davon gelaufen.

Constanze Wüstefeld (25) ist zurzeit Volontärin in der HNA-Lokalredaktion Melsungen.

Quelle: HNA

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