Nie ohne die Stimmgabel

Mengsbergs Chorleiter Berthold Möller gibt nach 47 Jahren den Taktstock weiter

Musik lässt ihn die Zeit vergessen: 47 Jahre leitete Berthold Möller (72) aus Neustadt den Männergesangverein (MGV) Mengsberg.

Neustadt/Mengsberg. Wenn Berthold Möller Musik macht, vergisst er die Zeit: Nie vergessen hat der 72-jährige Neustädter jedoch seine Sänger in Mengsberg. 47 Jahre lang leitete der Grundschullehrer den Männerchor, jetzt gibt er den Taktstock weiter.

1966 übernahm Möller die musikalische Leitung des Gesangvereines. Musische Vorbildung hatte der junge Lehrer seit seiner Kindheit genossen. Schon im Alter von 16 Jahren sang er im Chor, später in seinem Heimatort Bimbach, im Studentenchor in Gießen sowie in Neustadt. Die fachlichen Grundlagen erwarb Möller im Studium.

Zu den Fächern Deutsch und Theologie studierte er Musik. Ohne seine Stimmgabel kommt Möller seitdem nicht mehr aus. „Ich habe meinen Sängern erklärt, dass der nächste Auftritt immer der wichtigste ist“, sagt er.

Und damit hatte der Neustädter Erfolg: 1993, 1999, 2007 und 2011 erhielt der Chor das Prädikat „Leistungschor des Mitteldeutschen Sängerbundes“. „Ich habe mich immer gefreut, wenn man gemeinsam musikalisch etwas erreichen konnte“, sagt der 72-Jährige. Er habe stets auf seine zuverlässigen Mengsberger Sänger bauen können.

Doch ein Chor sei auch dem Wandel der Zeit unterlegen: 2011 waren es noch 36 aktive Sänger, heute kommen 29 regelmäßig zur Gesangsstunde. „Der Kampf um das Leben ist härter, berufliche Anforderungen sind stärker geworden. Da fällt manches hinten runter“, sagt Möller. Zu Spitzenzeiten hatte der Chor 40 Sänger.

Nicht allein in Mengsberg dirigierte der Schulleiter: Von 1972 bis 89 leitete er den Männergesangverein in Niederasphe, von 1973 bis 78 lenkte er den Schulchor der Wollenbergschule in Wetter. 1980 gründete Möller den Katholischen Kirchenchor Neustadt, dessen Chorleiter er bis heute ist. Ehefrau Josi hält ihm seit mehr als 40 Jahren den Rücken frei – und singt selbst in Neustadt mit. Bis zu den Enkeln habe sich mittlerweile herumgesprochen: „Musik gehört zu Opa Berthold.“

Immer ordentlich präsentiert

Möller erinnert sich an manch schönen Auftritt. Bei einem Chorjubiläum in Freudenthal habe die ganze Halle lauthals mitgesungen – als die Mengsberger Semino Rossis „Rot sind die Rosen“ zum Besten gaben. „Wir haben uns immer ordentlich präsentiert. Umgefallen sind wir nie“, erklärt Möller. In den vielen Jahren sei man „mit den Familien zusammengewachsen“.

Für sein Engagement wurde der Neustädter 2000 mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet, 2006 mit der Ehrennadel des Deutschen Chorverbandes für 40 Jahre Chorleitertätigkeit.

Seinen Mengsbergern wird Berthold Möller treu bleiben - als Sänger im zweiten Bass. „Jetzt muss ich nur noch lernen, den Mund zu halten“, sagt er und lächelt. Ein bisschen bang ist ihm der Abschied vom Taktstock schon. „Ich bin ein emotionaler Mensch“, sagt er. Und das glaubt man ihm sofort. Er freue sich, dass sich mit Wilfried Tschuppik ein von ihm sehr geschätzter Nachfolger gefunden habe.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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