Pfarrerin Brigitte Engelhardt-Lenz wechselt ihr Amt – aber bleibt sich selbst treu

Der Mensch unterm Talar: Pfarrerin Brigitte Engelhardt-Lenz

Vermittler zwischen Gott und Gemeinde: Handpuppe Jule spricht mit der Stimme von Pfarrerin Brigitte Engelhardt-Lenz. Foto: Schleichert

Wolfhagen/Leckringhausen. Ihre Bühne ist die Kanzel. Bevor Brigitte Engelhardt-Lenz sie betritt, streift sie einen Talar über. In eine Rolle aber schlüpft sie nicht: Auf der Bühne, die dem Himmel etwas näher ist, spricht ein Mensch zu seinesgleichen.

Die Wolfhager Stadtkirche verändert sich. Die Stufen hoch zur Kanzel der Wolfhager Stadtkirche werden saniert - und auch der Altarraum ist bereits in Plastikfolie gehüllt.

Noch bevor der letzte Baustaub weggekehrt ist, wird Brigitte Engelhardt-Lenz ihren Schlüssel abgeben: Die 51-jährige Pfarrerin der Gemeinde Leckringhausen und Wolfhagen nimmt ab Dezember ihre Arbeit bei der Baunataler Diakonie auf. Am 1. Advent, dem Tag der Ankunft, wird sie aufbrechen. „Ich sehne mich nach einer neuen Aufgabe“, sagt die Frau, die schon oftmals ihre Zelte abgebrochen und woanders aufgebaut hat.

Im Pfarrhaus, wo in wenigen Wochen ein Nachfolger einzieht, stapeln sich Erinnerungen der vergangenen neun Jahre: Taufkerzen, Kreuzkettchen und Talismänner hat die Pfarrerin in den Regalen der Sprechstube platziert. So sorgfältig, als gehörten sie zu ihrem Innenleben: „Die Zeit hier ist ein Teil von mir geworden“, sagt Engelhardt-Lenz.

Die Erinnerungsstücke wird sie mitnehmen. Von den Menschen aber, die ihr ans Herz gewachsen sind, muss sie sich trennen. „Es kann sein, dass Tränen fließen“, sagt die Frau, durch deren Gesicht sich Lachfältchen biegen.

Ihren Gemeinden wollte sie ein Gesicht gegeben. Hat sie viel bewegt? Brigitte Engelhardt-Lenz zögert, setzt zur Antwort an - und widerspricht. „Die Frage ist falsch“, sagt sie, „Nicht ich - wir haben viel bewegt“. Wo Glauben gelebt wurde und wo er im Sterben lag, war die Pfarrerin zur Stelle und sprach Gottes Worte. Am Krankenbett wie am Taufbecken.

„Die Zeit hier ist ein Teil von mir geworden.“

„Jung und Alt haben einen Platz in der Gemeinde“, sagt Engelhardt-Lenz und deutet auf Jule, die leblos auf der Fensterbank hockt. „Die Handpuppe liegt mir besonders am Herzen“, sagt Engelhardt-Lenz, setzt Jule auf ihren Schoß und erweckt sie mit einem Handgriff zum Leben.

Mit der kleinen Puppe, das Herzstück des Gottesdienstes für Minis, meistert die Pfarrerin einen Spagat: In einfachsten Worten erklärt sie ihrenjüngsten Schäfchen Gott und die Welt.

Vielleicht haben die Wolfhager Kinder sie gelehrt, noch mehr sie selbst zu sein. „Ich streife den Talar erst im Vorraum über“, erzählt die Pfarrerin, „damit die Kinder sehen, dass ich darunter ein Mensch bin.“

Brigitte Engelhardt-Lenz wird am Sonntag, 28. November, ab 13 Uhr im Gottesdienst zum 1. Advent verabschiedet. Im Anschluss an die Veranstaltung in der Wolfhager Stadtkirche lädt der Kirchenvorstand zu einem Empfang in das Evangelische Gemeindezentrum, Hans-Staden-Straße 24, ein.

Quelle: HNA

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