Erster Akt auf dem Acker

A 49: So war der Spatenstich mit Bundesverkehrsminister Ramsauer

Schwalmstadt. Wenn sich auf dem Feld zwischen Treysa und Frankenhain zwei Regenwürmer treffen, ist dort normalerweise schon viel los. Am Dienstag aber waren die Gesetze der ländlichen Idylle außer Kraft gesetzt.

Zum Spatenstich für den Weiterbau der A 49 kam die politische Prominenz, angeführt von Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer (CSU), auf den Acker. Im Gefolge: Gut 30 bis 40 Journalisten und mehrere hundert Besucher – darunter auch etwa 50 Autobahngegner.

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Noch bevor eine dunkle Karosse nach der anderen mit Wiesbadener und Münchner Nummernschildern am Rand der Landstraße zwischen Treysa und Gilserberg zum Halten kam, hatte Michael Stuhlmann viel zu tun. Schwalmstadts Polizeichef musste mit seinen Kollegen die angereisten Autobahnbefürworter und -gegner im Zaum halten.

Demos nicht angemeldet

Da beide Seiten keine Demonstration angemeldet hatten, durften sie eigentlich nicht den Eindruck erwecken, als handele es sich bei ihrem Treffen um eine organisierte Versammlung. „Ich sehe hier Transparente an Stöcken und T-Shirts mit Aufdruck – das ist vorbereitet und somit im Grunde verboten.“, sagte Stuhlmann. So streng wollte der Polizeichef dann aber nicht sein: Als Pro-Aktivisten ihr Banner ausrollten, bat er sie, es wieder einzupacken. „Es soll jeder seine Meinung kundtun, aber sollte die Veranstaltung gestört werden, müssen wir die Demonstration auflösen“, mahnte Stuhlmann die Aktivisten aus beiden Lagern. So weit kam es aber nicht.

Als Peter Ramsauer 40 Minuten später kam als geplant – schuld war die Lufthansa – ging alles ziemlich schnell: Es gab kurze Ansprachen, einige Buh-Rufe und Pfiffe und eine Entschuldigung für Ministerpräsident Volker Bouffier, der wegen einer kurzfristigen Sitzung zur Atomkrise in Japan nicht kommen konnte.

Nach einer halben Stunde griffen unter anderem Ramsauer und sein Amtskollege aus Hessen, Dieter Posch (FDP), zu den bereitgestellten Spaten. Wenig Notiz nahmen sie von den beiden Apfelbäumen, die ihnen Jörg Haafke von der Initiative „Schwalm ohne Autobahn“ und Erik Allmacher (BUND) mitgebracht hatten.

Spatenstich für A49-Weiterbau bis Treysa

„Sie sollen ein Zeichen der Hoffnung sein“, sagte Haafke, der weiterhin hofft, dass es noch zu einem Umdenken kommt. Die Ereignisse in Japan hätten gezeigt, dass es Situationen gebe, in denen Politik kurzfristig änderbar sei. Er bemängelte, dass das Verfahren des Autobahnbaus nicht transparent und demokratisch verlaufen sei. „Das fällt den Jungs eines Tages auf die Füße – da bin ich sicher“, sagte Haafke.

Die Jungs, von denen er sprach, waren zu dem Zeitpunkt schon wieder aus ihrem extra aufgestellten Kasten mit Erde herausgestiegen, in dem sie eben noch mit ihren Spaten hantiert hatten. Drei Stunden später war der Acker wieder Acker und die Regenwürmer haben wohl bis zum Bau des Frankenhainer Autobahntunnels Ende 2012 ihre Ruhe. (bal)

Hintergrund: Verwirrung um Ramsauers Anreise

Schwalmstadt. Mancher Beobachter hatte sich beim A 49-Spatenstich am Dienstag gewundert, dass Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer mit einer gepanzerten Limousine mit Münchner Nummernschild vorfuhr. War er doch kurz zuvor mit einem Hubschrauber im Innenhof der Polizeistation Ziegenhain gelandet. War der Münchner Wagen also leer aus der bayrischen Landeshauptstadt angereist, um den Minister zwei Kilometer zum Spatenstich zu fahren? „Nein keinesfalls“, erklärt Ministeriumssprecher Richard Schild auf HNA-Anfrage. Der Münchner Wagen sei aus Bonn gekommen, um Mitarbeiter des Verkehrsministeriums nach Schwalmstadt zu bringen. Mit einem zweiten Dienstwagen seien weitere Mitarbeitern aus Berlin angereist. Der in München zugelassene Wagen habe Ramsauer nur für den Transport vom Hubschrauber zum Spatenstich zur Verfügung gestanden. Nach der Veranstaltung sei der Wagen mit den Ministeriumsmitarbeitern zurück nach Bonn gefahren. Das Nummernschild sage nichts über den Standort der Behördenfahrzeuge aus. (bal)

Hintergrund: IHK hofft auf raschen Lückenschluss

Schwalm-Eder. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel begrüßt den Weiterbau der A 49. Nach Jahren des Planens und Wartens werde endlich der Bauabschnitt zwischen Neuental und Schwalmstadt realisiert, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Ulrich Spengler. Spengler hofft auf einen schnellen Lückenschluss zur A 5 und verspricht sich davon Vorteile für die regionale Wirtschaft und die Bevölkerung. Durch die Autobahnnähe erhöhe sich zum einen die Attraktivität der Standorte in der Region und zum anderen werde die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen gestärkt. (bal)

Quelle: HNA

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