Filialen der insolventen Firma Schlein geschlossen – Offenbar Geld verschwunden

Metzgerei blutete aus - Offenbar Geld verschwunden  

Alles dicht: Wie hier in Ziegenhain in der Hessenallee sind auch die anderen Filialen der insolventen Metzgerei Schlein in Wasenberg, Stadtallendorf und Neustadt geschlossen.

Schwalmstadt. Dieser Fall wird die Staatsanwaltschaft beschäftigen, ist sich Insolvenzverwalter Dr. Hans-Jörg Laudenbach sicher. „In der Firma Schlein gab es extrem viele Unregelmäßigkeiten – und alles wurde auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen“, sagt der Rechtsanwalt aus Gießen

Er eröffnet Ende September das Insolvenzverfahren für die Metzgerei. In dem Betrieb, der bis zur Schließung in vier Filialen 15 Mitarbeiter beschäftigte, sind jede Menge Geld und teure Maschinen verschwunden. Wer davon profitiert hat, ist noch unklar.

Die Geschichte, bei der noch vieles im Dunkeln liegt, beginnt am 7. April 2009. Damals ging das einstige Familienunternehmen – bei dem in Spitzenzeiten fast 100 Mitarbeiter Arbeit hatten – zum ersten Mal in die Insolvenz. Aus der Pleite heraus wurde ein neuer, wenn auch kleinerer Metzgereibetrieb gegründet. Da der bisherige Inhaber Christian Schlein aus rechtlichen Gründen nicht mehr als Geschäftsführer arbeiten durfte, übernahm Thorsten Dybus die Leitung.

„Ich kam in die Betriebsräume, und sie waren leer. Irgendwer hatte alles weggeschafft.“

Dr. Hans-Jörg Laudenbach Insolvenzverwalter

Doch dann lief Einiges schief, weiß Dr. Laudenbach zu berichten. In den vergangenen anderthalb Jahren ging der verbliebene Rest der Firma an Misswirtschaft und möglicherweise auch persönlicher Bereicherung endgültig zu Grunde.

Als der Insolvenzverwalter Dr. Laudenbach sich jetzt einen ersten Überblick in den kürzlich geschlossenen Filialen in Wasenberg, Ziegenhain, Neustadt und Stadtallendorf verschaffte, war er schockiert: „Ich kam in die Betriebsräume, und sie waren leer. Da stand keine Maschine mehr. Irgendwer hatte alles weggeschafft.“ Verschwunden waren auch das Hauptkassenbuch und 14 000 Euro. Sie sollen angeblich gestohlen worden sein, sagt Dr. Laudenbach und fragt sich: „Wer lässt so viel Geld in der Kasse?“

Christian Schlein, der zunächst noch als Prokurist für den einstigen Familienbetrieb seines Vaters tätig war, hält der Jurist nicht für verantwortlich. Nachdem Schlein gemerkt habe, dass die Firma nicht solide weitergeführt werden kann, habe er im Februar 2010 die Metzgerei verlassen.

Um die Hintergründe und die Schuldfrage zu klären, erstellt Dr. Laudenbach derzeit ein Gutachten für das Marburger Insolvenzgericht. Auf dessen Basis wird dann die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob und gegen wen Ermittlungen aufgenommen werden.

Für einige der betroffenen Mitarbeiter nimmt die erschreckende Geschichte einen vergleichsweise guten Ausgang. Die beiden Auszubildenden konnten weiter vermittelt werden. Auch einige der Mitarbeiter hätten bereits eine neue Anstellung, sagt Dr. Laudenbach. „Für die anderen sieht es gut aus: Fleischereifachverkäufer werden gesucht.“

Anm. der Red.: Sowohl Christian Schlein als auch Thorsten Dybus hätten wir gerne zur Sache befragt. Beide waren gestern nicht zu erreichen.

Von Bastian Ludwig

Quelle: HNA

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