"Er hat mich angelächelt"

Mehr als ein Pfund: Melsungerin erntet schweren Apfel in ihrem Garten

+

Melsungen. Der kleine Apfelbaum im Garten von Heidrun Wulf  aus Melsungen trägt zum ersten Mal Äpfel. Doch mit einem solchen Apfel hatte sie nicht gerechnet: Er bringt 538 Gramm auf die Waage.

„Die ganze Zeit, als er dort hing, hat er uns angelächelt. Wir haben uns aber entschieden, ihn noch hängen zu lassen“, sagt Wulf. Die Angst vor Waschbären habe sie allerdings dazu bewogen, ihn schon vorher vom Baum zu nehmen. „Der Baum ist erst vier Jahre alt. Im vergangenen Jahr hat er nur zwei Äpfel gehabt, und jetzt so etwas“, freut sich die 57-Jährige. Zwischen 20 und 30 Äpfel habe er getragen, alle seien sehr groß gewesen. „Ich habe es noch nicht geschafft, einen auf einmal zu essen.“ Er schmecke süß, saftig und aromatisch.

Über die Sorte ist sich Heidrun Wulf aber noch unsicher. „Wir wollen ihn bestimmen lassen, es handelt sich um eine alte Apfelsorte“, sagt sie. Sie hängt an alten Sorten und findet es schade, dass es in Geschäften immer nur die gleichen gebe.

Dabei ist es gar nicht selbstverständlich, dass Heidrun Wulf noch einen Apfel dieser Art in den Händen halten kann. Als sie vor vier Jahren das Haus kaufen wollte, stand ein großer alter Apfelbaum auf dem Gelände. „Ich habe mich sofort in ihn und seine knorrigen Stämme verliebt“, sagt Wulf. Auch der Geruch und Geschmack des Apfels, den sie bei ihrer Hausbesichtigung probiert hat, haben ihr zugesagt.

Doch sie hat nicht mit der Skrupellosigkeit des Vormieters gerechnet. „Als er erfahren hat, dass ich den Baum mag, hat er ihn abholzen lassen, damit wir das Haus doch nicht kaufen.“ Doch damit sei er kläglich gescheitert. „Als wir im Herbst eingezogen sind, haben wir sofort einige übriggebliebene Äste in die Erde gesteckt und im Frühjahr einer Gärtnerei übergeben“, sagt Wulf. Sie habe die alte Sorte unbedingt retten wollen. Die Biogärtnerei in Notfelden bei Wolfhagen habe dann die Äste veredelt und es geschafft, daraus einen Baum zu züchten. Der alte Apfelbaum war mindestens 60 Jahre alt, Heidrun Wulf habe sich darüber mit ihrem Nachbarn unterhalten.

Umso mehr freut es sie, dass die alte Sorte gerettet werden konnte. „Ich war mir erst unsicher, ob es sich bei dem kleinen Baum um die richtige Sorte handelt, aber der Geruch ist so einzigartig, dass ich mir sofort sicher war, als ich an einem Apfel gerochen habe“, sagt sie.

Warum der 538 Gramm schwere Apfel so groß geworden ist, kann sie sich nicht recht erklären. „Vielleicht liegt es am vielen Regen.“ Besonders gepflegt wird der alte neue Baum nicht, Wulf lässt die Natur lieber in Ruhe.

Ob der dicke Apfel auch gut schmeckt, wird sie heute Abend herausfinden, nachdem er sie zwei Wochen nach dem Ernten angelächelt hat.

Von Leona Nieswandt

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare