Schöffengericht: 22 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen sexueller Nötigung

Die Mieterin wehrte sich

Schwalm-Eder. Er hatte im September 2007 eine Frau dreimal sexuell belästigt: Das sah das Schöffengreicht am Fritzlarer Amtsgericht als erwiesen an und verurteilte den 65-jährigen Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis wegen sexueller Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten auf Bewährung.

Der 65-Jährige, bisher unbescholtene Mann, vermietete Wohnungen an alleinstehende Frauen, so auch an die damals 42-Jährige.

Sichtlich emotional bewegt, schilderte die heute 44-Jährige, die auch als Nebenklägerin auftrat, die unangenehmen Berührungen und Gewaltanwendungen des Angeklagten während der Vorfälle in der Küche und im Wohnzimmer ihrer Wohnung. Bei den drei Ereignissen habe der Mann zunächst nicht respektiert, dass sie ihm nicht geben wollte, was er sich vorstellte. Sie musste sich jedes Mal gegen seine Aufdringlichkeit zur Wehr setzen.

Der Angeschuldigte stritt zunächst die Straftaten ab und sagte: „Das stimmt nicht. Ich habe so etwas auch nicht versucht. Die will mir eine reinhauen.“ Er habe der Mieterin nach dem Einzug nur ein paar Tage beim Aufbau der Küche geholfen.

Eine 28 Jahre alte Zeugin belastete den Angeklagten jedoch mit ihrer Aussage. Sie sagte, dass sie auch eine Wohnung in einem Haus des Angeklagten gemietet hatte. Schon nach kurzer Zeit sei sie wieder ausgezogen, weil der Angeklagte ständig versucht habe, sich an sie ranzumachen. Während einer Einkaufsfahrt, bei der sie im Wagen des Mannes mitfuhr, habe er ihr gegenüber ungehörige sexistische Äußerungen gemacht und seine Hand auf ihren Oberschenkel gelegt.

Auf Anraten des Richters überdachten der Angeklagte und die Verteidigerin in einer Verhandlungspause das Aussageverhalten. Die Verteidigerin sprach mit dem Staatsanwalt und erklärte nach der Fortsetzung des Prozesses für ihren Mandanten: „Der Angeklagte räumt die Vorwürfe ein.“ Auf die Vernehmung weiterer Zeugen wurde verzichtet.

Der Verurteilte hat die Kosten für das Verfahren und für die Nebenklage zu zahlen. Er muss 3500 Euro Schmerzensgeld an die geschädigte Frau entrichten. Wenn er 2000 Euro fristgerecht beglichen hat, wird ihm der Rest von 1500 Euro erlassen. Die Bewährungszeit dauert drei Jahre. Das Urteil wurde angenommen und ist rechtskräftig. (nh)

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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