40- bis 1000-fache Vergrößerung

Mikroskopiker trafen sich im Zentrum Helfensteine

Abtauchen in die faszinierende Welt der Mikroskopie: Horst-Dieter Döricht (links) traf sich mit hochkarätigen Forschern aus ganz Deutschland zum Gedankenaustausch im Zentrum Helfensteine. Fotos: Hoffmann

Zierenberg. Ein ungewöhnliches Treffen von Menschen, die sich mit Dingen beschäftigen, die man mit bloßem Auge nicht erkennen kann. Alles unterm Mikroskop: 40- bis 1000-fache Vergrößerung entführen in einen Mikrokosmos, der Wissenschaftler auf der ganzen Welt fasziniert.

Sie sorgen für eine 40- bis 1000-fache Vergrößerung, kosten zwischen 700 und 25.000 Euro und entführen in einen Mikrokosmos, der Wissenschaftler auf der ganzen Welt fasziniert - Mikroskope. Die standen am Wochenende im Zentrum Helfensteine auf dem Hohen Dörnberg im Mittelpunkt, wo sich hochkarätige Forscher aus Deutschland zum jährlichen Gedankenaustausch trafen.

Die Mikroskopiker, darunter Insektenforscher, Zellbiologen und Pflanzenkundler, hatten zum zweiten Mal in Folge mit ihren Gerätschaften im Gesamtwert eines Einfamilienhauses den alten Theatersaal des ehemaligen Jugendhofes in ein beeindruckendes Forschungszentrum umfunktioniert, um gemeinsam zu fachsimpeln, sich gegenseitig über den Stand aktueller Projekte zu informieren und mit ihren Hightech-Mikroskopen abzutauchen in die Welt der kleinsten Dinge des Lebens, die so ungeahnte Größe erlangen.

„Wir beschäftigen uns mit dem, was die Menschen kaum beachten oder tagtäglich mit Füßen treten“, sagt Organisator Horst-Dieter Döricht aus Vellmar, der sich selbst vor allem für Insekten interessiert. Er lässt kleine Tierchen groß rauskommen, wenn er mit seiner selbst entwickelten Foto- und Beleuchtungstechnik einzelne Teile von ihnen in vielfacher Vergrößerung darstellt. Das macht er mittels Schichtaufnahmen. Eine Ameise etwa wird dabei vom Fühler bis zum letzten Bein durchgescannt. An die 350 Aufnahmen kommen so zustande, die der 63-Jährige mithilfe eines speziellen Computerprogramms zusammenrechnet. „So entsteht ein 3D-Tier, bei dem man selbst noch das letzte Haar erkennen kann.“

Aktuell beschäftigt sich der gelernte Werkzeugmacher, der über die Astronomie zur Mikroskopie gekommen ist, mit Porträtaufnahmen. Menschen kommen ihm dabei nicht vor die Linse, ihm haben es die Wespen angetan. „Jede hat ein anderes Gesicht“, sagt er fasziniert. „Als ich die erste fotografiert habe, war das einfach nur schön.“ Die eine habe ein Ankermuster, die andere einen Punkt, die nächste eine gewellte Linie auf ihrem Stirnschild. Die geflügelten Tiere müsse er zunächst im Eisfach bei minus 32 Grad einfrieren, dann ganz behutsam auftauen, um sie in den rund drei Stunden bis zum beginnenden Zellverfall fotografieren zu können. „Wenn man ihnen dabei in ihre kleinen Gesichter schaut, bekommt man schon mal ein schlechtes Gewissen, dass man sie einfach so gekillt hat“, sagt der leidenschaftliche Mikroskopiker. Da könne nur beruhigen, dass Insekten keinerlei Schmerzempfindung haben.

Die Beobachtung der Natur, die Ruhe bei der Arbeit und die maximale Ausnutzung der Ausrüstung - all das ist es, was ihn und seine Kollegen an der Mikroskopie reizt. Nicht nur Insekten, sondern auch Pflanzen und vieles mehr kommen da unters Mikroskop. Winzlingen werden so zu Riesen, dank der Hightech-Geräte, die für eine 40- bis 1000-fache Vergrößerung sorgen.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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