Dauerhaft sinkende Preise gefährden Existenz

Milchbauern im Schwalm-Eder-Kreis an der Schmerzgrenze

Schwalm-Eder. Die Preise für Milch sind wieder im Sinkflug. „Die Situation ist ernst und bedroht die Existenz vieler Milchbauern im Landkreis“, sagt Günther Koch.

Er ist Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) für den Landkreis. 

Zu Jahresbeginn zeigte sich noch ein leichter Hoffnungsschimmer für die Landwirte. „Das hat sich aber wieder zerschlagen“, sagte Koch. Derzeit fielen die Preise für Milch im Einzelhandel wieder. Auch baue die EU Lager für Milchpulver wieder Schritt für Schritt ab, was zusätzlichen Druck auf die Branche erzeuge. Die meisten Molkereien zahlen nach seinen Angaben rund 30 Cent für den Liter Milch. „Viel zu wenig und nicht kostendeckend“, sagt Koch. Und Jochen Ackermann, Geschäftsführer der Agrarberatung Nordhessen, befürchtet in den kommenden Monaten einen weiteren Preisrückgang. „Wir wissen nicht, wo es nun hingeht.“

Die Verhandlungen über die neuen Verträge mit den Molkereien wurden gerade abgeschlossen“, sagt Ackermann. Fest steht, der Preis sinkt weiter. „Uns Bauern ärgert absolut, dass die Molkereien aus den Entwicklungen der vergangenen Jahre nichts gelernt haben“, kritisiert Koch. „Sie sind nicht willig, nachhaltige Regelungen auch im Interesse der Milchbauern zu schaffen.“ Seit vielen Jahren werde an die Molkereien appelliert, bei der Vertragsgestaltung darauf einzugehen. „Wir brauchen vernünftige Verträge, mit denen es größere Planungssicherheit hinsichtlich Menge und Preis gibt“, sagt Koch. Bis dato wisse der Landwirt nicht, was er für die aktuell abgelieferte Milch verdient habe. Das erfahre er erst einen Monat später.

Koch rechnet damit, dass nun wieder der eine oder andere aufgeben und die Milchproduktion einstellen wird. „Die Landwirte haben harte Einschnitten hinter sich“, sagt Koch. Die Schmerzgrenze sei erreicht.

BDM fordert klare Regelung

Der Bundesverband Deutscher Milchviehalter fordert einen Milchmarkt im Gleichgewicht. Drückende Übermengen – so wie auch die immer noch eingelagerten Milchpulverberge – seien Gift für die Erzeugerpreise. Hinzu komme die völlig unterschiedliche Interessenslage zwischen Molkereien und Milchviehhaltern. 

Der BDM fordert verbindliche Verträge sowie die Installierung eines effizienten Marktkriseninstruments auf EU-Ebene, mit dem Krisen durch stufenweise Anpassungen des EU-Milchangebots an die reale Nachfrage effektiv und vor allem frühzeitig entgegengewirkt werden kann. Der Kreisbauernverband gab keine Stellungnahme ab.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Martin Schutt/ dpa

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