Finanzielle Förderung vom Land

Milchhilfe ging auch an Betriebe ohne Kühe

Schwalm-Eder. Im Landkreis profitierten 265 Betriebe von der Milchhilfe, obwohl es laut Statistischem Landesamt nur 233 mit Milchkühen gab.

Milchbauern hatten wegen niedriger Milchpreise Existenzängste, das hessische Ministerium für Landwirtschaft beschloss 2016 eine finanzielle Soforthilfe – und zahlte diese zu rund einem Drittel an Betriebe, die gar keine Kühe haben. Im Schwalm-Eder-Kreis haben 265 Betriebe von der Förderung profitiert, obwohl es laut Statistischem Landesamt nur 233 mit Milchkühen gab.

Der Landesrechnungshof kritisiert scharf, dass auch andere Landwirte sowie Reiterhöfe und Hessen Forst Geld bekamen, einige Milchbauern dagegen überhaupt keinen Anspruch auf Förderung hatten. Denn das Geld wurde über ein bestehendes Programm verteilt, bei dem die Größe der Grünflächen in sogenannten benachteiligten Gebieten ausschlaggebend ist.

Diese Soforthilfe sei allerdings nur eines von mehreren Hilfsprogrammen gewesen, sagt Stefan Strube, Sprecher des Regionalbauernverbands Kurhessen. Im Kreis wurden dabei knapp 300 000 Euro ausgeschüttet, im Durchschnitt 1132 Euro je Empfänger. "Ich will nicht sagen, das war ein Tropfen auf den heißen Stein, aber das trifft es eigentlich genau", sagt Strube. Trotzdem seien die Landwirte dankbar für jede Unterstützung.

Mit den hessenweiten Durchschnittswerten gerechnet konnte die Soforthilfe auf dem Höhepunkt der Krise gerade einmal die Verluste für rund eine Woche ausgleichen. Wäre das Geld pro Kuh ausgezahlt worden, die ohnehin alle registriert sein müssen, wären es immerhin gut elf Tage gewesen.

In einer Stellungnahme gibt das Ministerium an, dass es zu lange gedauert hätte, ein komplett neues Programm für die Milchhilfe zu entwickeln. "Die Landwirte brauchten möglichst schnell Hilfe", sagt auch Strube. Das allein hätte ohnehin keinen Betrieb retten können. Einige haben mittlerweile aufgegeben: Mitte 2017 gab es nur noch 221 Milchbauern im Schwalm-Eder-Kreis.

Quelle: HNA

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