Mildes Urteil für Schulverweigerer aus Homberg

Schwalm-Eder. Das Amtsgericht Fritzlar hat die Schulverweigerer-Familie Schaum zu einer Geldstrafe von 80 Euro verurteilt. Thomas und Marit Schaum waren angeklagt, vier schulpflichtige, ihrer insgesamt neun Kinder, dauerhaft der Schule zu entziehen.

Mit dem Urteil blieb Richterin Marion Riechers unter dem Antrag von Staatsanwältin Pia Röde. Diese hatte eine Strafe von je 40 Tagessätzen à fünf Euro gefordert.

Am Amtsgericht in Fritzlar war das Medieninteresse am Schicksal der Familie Schaum am Mittwoch groß.

Thomas Schaum, der seine Ehefrau und sich verteidigte, kündigte nach dem Urteil an, Rechtsmittel einzulegen. Schaum sagte, dass er und seine Frau nicht gegen das Gesetz verstoßen wollten, aber aus Gewissens- und Glaubensgründen die Kinder nicht an einer öffentlichen Schule unterrichten lassen könnten.

Seine Kritik richtet sich unter anderem gegen den Lehrplan. Auch wenn sich im heimischen Unterricht streng an diesem orientiert werde, fehle im Hause Schaum zum Beispiel der frühkindliche Sexualkundeunterricht.

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Grundschulkindern müsste nicht erklärt werden, wie Erwachsene den Akt vollzögen. „Kinder werden zu früh in schamloser und unkeuscher Weise mit sexuellen Themen konfrontiert“, sagte Schaum. Den aus seiner Sicht richtigen Zeitpunkt lieferte er auch: „Erst wenn das Interesse bei den Kindern erwacht und Fragen gestellt werden, behandeln wir diese Themen."

Auch wenn die Eltern sorgsam mit ihren Kindern umgingen, sei der Verstoß gegen das hessische Schulgesetz eine Straftat, sagt Pia Röde.

Und diese müsste bestraft werden, sagte Richterin Marion Riechers. Es sei nicht im Sinne des Staates, wenn Parallelgesellschaften entstünden, argumentierte sie.

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Quelle: HNA

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