Bundeswehr

Rekruten mit Muttizettel: Minderjährige Soldaten werden in Schwarzenborn an der Waffe ausgebildet

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Mitten in der Grundausbildung: Die beiden 17-Jährigen Lucas Kahle (links) und Ben Spilger vor dem Gebäude, in dem alle Rekruten der Knüll-Kaserne Schwarzenborn drei Monate lang untergebracht sind. Oberaula ist die Patengemeinde der Ausbildungsunterstützungskompanie 1.  

Schwarzenborn. Momentan absolvieren acht minderjährige Soldaten ihre Grundausbildung in der Knüll-Kaserne Schwarzenborn. Vier von ihnen haben der HNA von ihrem Alltag als Nesthäkchen erzählt. 

Sie dürfen noch nicht Auto fahren, nicht wählen, kein Blut spenden, harter Alkohol und Zigaretten sind für sie tabu. Aber: Bei der Bundeswehr werden sie an der Waffe ausgebildet – auch in der Knüll-Kaserne Schwarzenborn absolvieren minderjährige Rekruten ihre dreimonatige Grundausbildung.

Vier 17-jährige Soldaten der Ausbildungsunterstützungskompanie 1 haben der HNA von ihrem Alltag als Nesthäkchen erzählt, der sich gar nicht so stark von dem ihrer älteren Kollegen in der Grundausbildung unterscheidet: "Wir sind alle Kameraden, alle gleich. Da hat das Alter nichts mit zu tun", sagt Lucas Kahle.

Bereits mit 17 Jahren ist es möglich, einen freiwilligen Wehrdienst zu leisten und Soldat auf Zeit zu werden. Im Dienst spiele das Alter keine Rolle, sagt Hauptmann Peter Lütticke, der in der Knüll-Kaserne auch als Sprecher arbeitet. Aufgaben und Anforderungen seien für alle gleich. Allgemeine Regeln zum Jugendschutz wie das Rauchverbot gälten selbstverständlich auch in der Kaserne. Minderjährige werden zwar auch an der Waffe ausgebildet. „Aber sie werden nicht als Wache eingesetzt oder in einen Auslandseinsatz geschickt, also nicht in eine Situation gebracht, in der sie von der Waffe Gebrauch machen müssten“, sagt Lütticke.

In einigen Familien hat der Wunsch, zur Bundeswehr zu gehen, für Diskussionen gesorgt. "Väterlicherseits haben viele Wehrdienst geleistet, aber mütterlicherseits gibt es viele Wehrdienstverweigerer, denen das gar nicht gefallen hat", sagt ein junger Rekrut, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Dabei gehe es aber um eine grundsätzlich eher negative Einstellung gegenüber der Bundeswehr, die nicht anders gewesen wäre, wenn er einige Jahre älter wäre. Aber auch sein Vater, der seine Entscheidung grundsätzlich befürwortet hat, habe erwartet, dass er sich mit den Folgen und Risiken auseinandersetzt: "Ich sollte wissen, worauf ich mich da einlasse."

Bei drei von vier der jungen Soldaten sind die Familien militärisch geprägt, mal ist der Vater Berufssoldat, mal der Onkel Offizier bei der Luftwaffe. Dadurch sind sie damit aufgewachsen, dass Soldat eigentlich ein ganz normaler Beruf ist.

Etwas andere Beweggründe hatte Ben Spilger, er hat sich in seiner Heimat bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert und sich immer auf die Kameradschaft am Wochenende gefreut. "Die gibt es bei der Bundeswehr fünf Tage pro Woche. Ich habe aber auch das Abenteuer gesucht und möchte Erfahrungen sammeln", sagt er.

Alle vier sind der Meinung, dass ihr junges Alter kein großer Nachteil ist – eher sogar ein Vorteil, sagt Spilger: "Viele, die mit 21 hier anfangen, haben eine Lehre gemacht und dann gemerkt, dass ihnen das doch nicht gefällt. Die 17-Jährigen wollen das aber meistens von klein auf und haben den Ehrgeiz, das durchzuziehen." Dazu gehört auch, um 5.15 Uhr aufzustehen und nicht viel Kontakt zur Familie zu haben: "Ich sehe die Kameraden momentan schon öfter als meine eigene Familie", sagt ein 17-Jähriger. "Aber die sind für mich in letzter Zeit wie eine zweite Familie."

Major Torsten Rickert, Kompaniechef bei der Grundausbildung, hat schon einige minderjährige Rekruten erlebt und sagt: "Die Jungs sind neugierig, aber da gibt es Licht und Schatten wie bei anderen auch." Ende Februar haben die vier Soldaten ihre Rekrutenbesichtigung, danach entscheidet sich, wie es mit ihnen weitergeht. Lucas Kahle hat das Ziel, Berufssoldat zu werden, Ben Spilger möchte nach dem freiwilligen Wehrdienst eine zivile handwerkliche Ausbildung machen und dann überlegen, ob er zur Feuerwehr oder zurück zur Bundeswehr möchte.

Hier befindet sich die Knüll-Kaserne: 

Quelle: HNA

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