Steuer-Irrsinn: Bäcker müssen für Brot-Spenden zahlen

Schwalm-Eder. Eine gute Tat kann für Bäcker in der Region sehr teuer werden: Wer einer Tafel Brötchen oder Brot spendet, muss dabei Umsatzsteuer bezahlen. Die Tafeln zeigen sich empört.

Das bestätigt das Bundesfinanzministerium. Gleichzeitig kündigt die Behörde allerdings an, diese Regelung künftig zu entschärfen.

Auslöser ist ein Fall aus Sachsen: Laut Medienberichten musste dort ein Bäcker 5000 Euro Steuern nachzahlen, weil er einer Tafel jahrelang Brötchen gespendet hat. Dabei handelte es sich um unverkaufte Ware, die sonst weggeworfen worden wäre. Die Tafeln unterstützen mit solchen Lebensmittelspenden Bedürftige.

Auch im Schwalm-Eder-Kreis sorgte dieser Fall für Kopfschütteln: „Ich kann nicht verstehen, dass bei einer so guten Sache versucht wird, was rauszuholen“, sagt Günter Schwarz, stellvertretender Obermeister der Bäckerinnung. Die Brötchen zu spenden, sei viel besser, als sie wegzuwerfen.

Dass auf eine solche Spende Steuern erhoben werden, sei „nicht nachvollziehbar“, sagt auch Margret Artzt, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks, Träger der vier Tafeln im Schwalm-Eder-Kreis. Für die Helfer sind die Spenden wichtig: Allein der Fritzlarer Tafel würden zweimal pro Woche 50 Transportkisten Backwaren von verschiedenen Bäckereien zur Verfügung gestellt.

Bäcker und Tafeln sind zuversichtlich, dass es eine Lösung für das Problem gibt: Der Wert gespendeter Lebensmittel soll auf null Euro gesetzt werden, wenn deren Haltbarkeit abläuft. Man arbeite mit den Ländern an einer solchen Regelung, bestätigt Johannes Blankenheim vom Finanzministerium.

So soll eine Lösung gefunden werden, die mit der europäischen Vorgabe vereinbar ist. Denn eigentlich habe man keinen Spielraum: Spenden seien mit einer Privatentnahme in einer Firma gleichzusetzen.

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Von Barbara Kamisli und Göran Gehlen

Quelle: HNA

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