Ministerium lehnt Lärmschutz an A7 ab

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Gerhard Fischer aus Hesslar

Hesslar/Melgershausen. Die Chancen für einen A 7-Lärmschutz bei Heßlar und Melgershausen stehen schlecht.

Der Hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir lehnt weiteren Lärmschutz ab, obwohl eine neuerliche Lärmberechnung an der Autobahn zwischen Knüllwald und Kassel noch aussteht. Das teilte das Ministerium jetzt auf Anfrage des Landtagsabgeordneten Günter Rudolph (SPD) mit.

Wolfgang Harms, Pressesprecher beim Ministerium, sagte auf HNA-Anfrage, dass die Wohnbebauung zu weit von der Autobahn entfernt sei, sodass die neuen Berechnungen die gesetzlichen Grenzwerte ohnehin nicht überschreiten würden.

Die Bewohner beider Dörfer hatten auf die Errichtung von Lärmschutzwänden gedrängt, weil es seit der Erneuerung der Helterbachtalbrücke im Jahr 2014 beträchtlich lauter geworden sei. Entgegen dem Planfeststellungsverfahren sei dort ein Gussasphalt ohne Lärmsenkung verbaut worden, teilte das Ministerium mit. Dies sei ein Fehler von Hessen Mobil gewesen und auf mangelnde interne Kommunikation zurückzuführen. Dennoch müsse es seit der Erneuerung der Brücke leiser sein als vorher, weil die Fahrbahn abgesenkt, ein Wall gebaut und die Brücke etwas weiter vom Ort abgerückt wurde, heißt es weiter. Einen Austausch des Belags lehnt das Ministerium wegen der hohen Kosten ab. Auch eine Geschwindigkeitsreduzierung würde zu keiner Verbesserung der Situation führen.

Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz sieht das Verkehrsministerium in der Verantwortung. Die Antwort sei eine Farce. Was im Planfeststellungsverfahren geregelt ist, müsse auch umgesetzt werden. „Ich erwarte einen Lärmschutz, der die Situation so herstellt, als wäre der lärmmindernde Belag eingebaut worden.“ Hessen Mobil sei dem Ministerium unterstellt und daher müsse das den Fehler beheben. 

Anwohner setzt sich weiter für Lärmschutzwand ein 

Wenn der Heßlarer Gerhard Fischer auf seinen Balkon gehen will, dann überzeugt er sich erst einmal, ob er es dort auch aushalten kann. Als er die Tür öffnet, bricht eine Welle des Lärms in das Wohnzimmer herein.

Die Autobahn, die etwa 400 Meter Luftlinie von seinem Haus entfernt liegt, brüllt. Und das sei schon seit 30 Jahren so, sagt er. In den vergangenen beiden Jahren habe sich die Situation weiter verschärft. Mit dem Neubau der Helterbachtalbrücke wurde die Topografie der Autobahn verändert und die Fahrbahn neu gemacht. Nicht mit dem Flüsterasphalt, wie dies gesetzlich vorgeschrieben ist, sondern mit herkömmlichen Gussasphalt. „Seitdem ist es noch lauter“, sagt Fischer.

Fischer hat sein Haus in den 70er-Jahren gebaut. Im Garten konnte man damals noch gemütlich mit der Familie Kaffee trinken. „Davon kann ich heute nur träumen.“ Nach der Wende sei der Verkehr immens angestiegen. Immer mehr Laster fahren die A 7 hinunter und viele davon quasi bei Fischers vorbei. Die App auf dem Handy, die den Schallpegel auf Fischers Balkon misst, zeigt an diesem Tag Werte zwischen 60 und 75 Dezibel an. Die Grenzwerte sollten tagsüber im Durchschnitt 69 Dezibel nicht überschreiten. „Je mehr Wind von Westen kommt, desto lauter ist es“, sagt er. Nur bei Ostwind sei es leiser, aber das sei leider selten der Fall.

Die Ablehnung von Lärmschutz, die vom Hessischen Verkehrsminister kommt, ist für Fischer wieder eine Enttäuschung. Seit Jahren kämpft er für Lärmschutz an der A 7 bei Heßlar. Immer wieder gebe es andere Ausflüchte, meint er. Jetzt mache das Ministerium Hessen Mobil für falschen Belag verantwortlich. „Einer schiebt dem anderen die Schuld zu.“

Er zeigt in Richtung Autobahn und sagt: „Da muss nur eine Lärmschutzwand hin, dann wird es um die Hälfte leiser.“ Das ist für ihn der einzige Weg, endlich mehr Ruhe nach Heßlar zu bringen. Denn nicht nur er, sondern das ganze Dorf leide unter dem Lärm. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung hält er nicht für den richtigen Weg. „Daran hält sich doch ohnehin keiner.“

Fischer ist seit Jahren im Lärmschutz organisiert und auch Mitglied der Guxhagener Initiative Lärmstopp. Er hat zu vielen Politikern Kontakt gehabt in dieser Zeit. Viele hätten sich eingesetzt, manche sehr intensiv, andere weniger. Auch vonseiten der Stadt Felsberg wünscht er sich mehr Unterstützung. Trotz aller Widerstände will der Rentner nicht aufgeben und kämpft weiter für Lärmschutz an der A 7.

Quelle: HNA

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