Durchblutungsstörung im Gehirn kann schwere körperliche Folgen haben

Mittwoch ist Weltschlaganfalltag: Minuten können Leben retten

Schwalm-Eder. Alljährlich erleiden über 200.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Eine hohe Zahl, doch trotzdem wissen die meisten nicht, wie sie die Erkrankung erkennen und wie sie sich im Ernstfall verhalten sollen.

Zum morgigen Weltschlaganfalltag haben wir Dr. Lutz Gerlach, Chefarzt der Neurologischen Akutklinik in Bad Zwesten dazu befragt.

„Ein Schlaganfall entsteht meist durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn. Ein Gefäßverschluss führt dazu, dass ein Hirnareal nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Energieträgern versorgt wird“, erklärt der Neurologe. Die Folge: In dem unterversorgten Bereich sterben Hirnzellen ab.

Je nachdem, wie lange die Durchblutungsstörung anhält, kann die betroffene Hirnregion ihre Aufgabe vorrübergehend oder dauerhaft nicht mehr erfüllen. „Im Notfall muss man schnell handeln“, weiß Gerlach. Denn je mehr Zeit nach einem Schlaganfall vergehe, desto mehr Hirnzellen gehen verloren - durchschnittlich sterben 1,9 Millionen von ihnen in einer einzigen Minute ab.

Umso wichtiger ist es, die Symptome zu kennen, die auf einen Schlaganfall hinweisen. „Die Bandbreite ist groß“, erklärt Gerlach. Motorische Probleme und Lähmungserscheinungen, die in der Regel einseitig auftreten, gehören ebenso zu den möglichen Auswirkungen wie Sehstörungen, Schluck-, Sprech-, Sprachstörungen, Gleichgewichtsstörungen, halbseitige Sensibilitätsstörungen und akute heftigste Kopfschmerzen bei Hirnblutungen.

Wer einen Schlaganfall vermutet, sollte unverzüglich den Notarzt verständigen. Denn eine zeitnahe Behandlung kann die Genesungsaussichten entscheidend verbessern: „In den ersten viereinhalb bis sechs Stunden nach einem Anfall kann man das verschlossene Gefäß oft mithilfe einer Thrombolyse-Therapie wieder öffnen.“ Dabei wird ein pfropfauflösendes Mittel verabreicht, oder ein Katheter bis zur blockierten Stelle im Gehirn geschoben und der Pfropf entfernt.

Ein entscheidender Aspekt des Behandlungserfolgs ist allerdings auch die anschließende Rehabilitation. „Ziel ist es, den Betroffenen ein möglichst eigenständiges Leben zu ermöglichen“, erklärt Dr. Lutz Gerlach. Mit Physio-, Ergo-, Sprachtherapie sowie neuropsychologischem Training sollen die Folgen des Schlaganfalls gemindert werden. Oft könne das Gehirn mit gezielten Übungen sogar „umprogrammiert“ werden, erklärt der Experte: „Dann übernehmen Hirnregionen die Aufgaben anderer Areale.“ Das erfordere viel Geduld, doch viele Patienten erholten sich nach einem Schlaganfall erstaunlich gut.

Von Pamela De Filippo

Quelle: HNA

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